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Sonntag, 14. Februar 2010

Jeder ist seines eigenen Glücks Schmied


Wie könnten die Sätze, die Epiktet als „die Summe der Weisheit“ (siehe Eintrag vom 11. Februar) bezeichnet, heute gelesen und verstanden werden?

Vielleicht so:

Es gibt Dinge, auf die wir keinen Einfluss haben, z.B. wer unsere Elften sind, ob wir gesund oder Krank sind, ob wir mehr oder weniger intelligent sind, wo sind wir zur Schule gegangen, wo sind wir aufgewachsen, ob und wie viele Geschwister wir haben, und so weiter.... alles das kann von uns nicht beeinflusst werden. Auch der Zufall und zufällige Begebenheiten und Begegnungen entziehen sich unserem Einfluss – z.B. welche Lehrer uns unterrichtet haben, wie sind die Menschen, die wir auf unseren Wegen begegnen. („wenn es den Göttern also beliebt, so mag's geschehen“). Epiktet sagt dazu auch:

„Einige Dinge sind in unserer Gewalt, andere nicht. In unserer Gewalt sind: Meinung, Trieb, Begierde, Widerwille: kurz: Alles, was unser eigenes Werk ist. – Nicht in unserer Gewalt sind: Leib, Vermögen, Ansehen, Aemter, kurz: Alles, was nicht unser eigenes Werk ist.“

Wir können auch nicht unsere Vergänglichkeit stoppen, das Älterwerden unseres Körpers, das „Verschleißen“, dem wir Tag für Tag umgesetzt sind. Wobwohl durch unsere Gedanken und Taten können wir die Geschwindigkeit diese Prozesse sehr negativ oder positiv beeinflussen – z.B. Rauchen, Alkohol, Schlafmangel, Sport, Ernährung, Selbstdisziplin. Wir sind auch den Schicksalsschlägern (wie z.b. der Tod eines lieben Menschen, Naturkatastrophen, Unfälle, Krankheiten), die uns Heimsuchen, hilflos ausgeliefert und so oft mit der Tatsache konfrontiert, dass ALLES vergeht – so auch das Schöne, ja, insbesondere auch das, was uns erfreut hat – es fängt schon mit dem Ende des Kindergartens an, dann die Grundschule, das Gymnasium, das Studium, der Urlaub, die unbeschwerte Jugend, das frei und ungebunden Sein, dann auch die Zeiten der Berufstätigkeit, die für viele von größer Bedeutung ist. Abschiede werden uns nicht erspart, selbst die Elternrolle ist vergänglich, da die Kinder wachsen und selbständig werden. Es ist nicht ganz einfach, das Loslassen zu lernen. Oft erleben wir auch, dass etwas, was wir uns in unseren Kopf gesetzt haben und so sehr wünschen, SO eben NICHT LAUFEN WILL, oder wenn wir die Folgen unseres Handelns nicht richtig bedacht haben und nun uns den Tatsachen stehen finden, die uns als schlecht erscheinen („Ich will euch folgen ohne Zögern; wollt' ich's nicht, Wär' ich ein Feigling; aber folgen müßt' ich doch.“ und „wer das Unvermeidliche mit Würde trägt“). Epiktet sagt dazu auch:

„Und die Dinge, welche in unserer Gewalt stehen, sind von Natur frei; sie können nicht verhindert, noch in Fesseln geschlagen werden. Die Dinge aber, welche nicht in unserer Gewalt stehen, sind schwach, und völlig abhängig; sie können verhindert und entfremdet werden.“

Wir brauchen uns aber nicht in Verzweiflung zu stürzen, nein! Wir haben die Möglichkeit, in jeder Lebenslage unsere Gedanken so zu lenken, dass wir auch in eben dieser Lage für uns ein Vorteil finden. Denn eben die eigenen Gedanken das einzige Gut ist, das uns tatsächlich und immer gehört. Und nicht nur die eigenen Gedanke sind unsere, es sind ebenso unsere Handlungen, unser Aktivität, unser Taten, die wir darauf richten sollen, uns gut zu tun. Denn, wie es heißt:

„Jeder ist seines eigenen Glücks Schmied“.
Und wenn uns der Hammer aus de Hand fällt, was ja auch passieren kann, dann müssen wir schauen, wie wir ihn möglichst schnell in die eigne Hände wieder bekommen (... können mich zwar töten, aber mir schaden, – das können sie nicht).

Epiktet sagt dazu auch:

„Wofern du nun Dinge, die von Natur völlig abhängig sind, für frei, und Fremdes für Eigenthum ansiehst, so vergiß nicht, daß du auf Hindernisse stoßen, in Trauer und Unruhe gerathen, und Götter und Menschen anklagen wirst. Wenn du aber nur, was wirklich dein ist, als dein Eigenthum betrachtest, das Fremde aber so, wie es ist, als Fremdes, so wird dir niemand je Zwang anthun, niemand wird dich hindern; du wirst keinen schelten, keinen anklagen, wirst nichts thun wider Willen, niemand wird dich kränken, du wirst keinen Feind haben, kurz: du wirst keinerlei Schaden leiden.“ und „Ein Herr über alles ist der, welcher die Macht hat, das, was er will, oder nicht will, anzuschaffen oder wegzuschaffen.“

Weiterhin gilt die Buch-Empfehlung: Epiktet „Wege zum glücklichen Handeln“

Donnerstag, 11. Februar 2010

Die Summe der Weisheit


Buch-Empfehlung: Epiktet „Wege zum glücklichen Handeln“





In allen Fällen müssen wir folgende Sätze in Bereitschaft halten:

So führe mich, o Zeus, und göttliches Geschick,

Wohin es mir von euch zu gehn verordnet ist.

Ich will euch folgen ohne Zögern; wollt' ich's nicht,

Wär' ich ein Feigling; aber folgen müßt' ich doch.

( aus dem Zeushymnus des Stoikers Kleanthes)

Und wer das Unvermeidliche mit Würde trägt,

Der heißt ein Philosoph uns, ja ein Theolog.

(aus dem Tragiker, Euripides)


Drum, Krito, wenn es den Göttern also beliebt, so mag's geschehen.

(aus dem Platonischen Kriton)


Anytus und Melitus können mich zwar töten, aber mir schaden, – das können sie nicht.

(aus der Platonischen Apologie)

Quelle: Epiktet's Handbüchlein der stoischen Moral

Siehe auch:

http://toiowo-lucilia.blogspot.com/2010/02/jeder-ist-seines-eigenen-glucks-schmied.html



Montag, 25. Januar 2010

Vor dem Handeln überlege


Selbstverleugnung

Vergiss nicht, dass du dich im Leben, wie bei einem Fastmahl betragen musst: Man bietet etwas herum und es gelang zu dir. Strecke die Hand aus und nimm bescheiden davon; es geht an dir vorüber - halte es nicht auf, es will immer noch nicht kommen – blicke nicht aus der Ferne begehrlich darauf hin sondern warte, bis es an dich kommt. Ebenso halte es im Bezug auf Kinder, Frau, Ämter und Reichtum. Dann wirst du einst ein würdiger Tischgenosse der Götter sein. Wenn du aber von dem was dir vorgelegt wird, nichts annimmst, sondern darüber wegsiehst, so wirst du nicht bloß mit den Göttern zu Tische sitzen, sondern auch mit herrschen. So handelten Diogenes und Heraklit, und ihresgleichen und deshalb waren und hießen sie mit Recht, göttliche Menschen.


Vor dem Handeln überlege

Bei allem was du tun willst, achte auf das, was vorangeht und was nachfolgt; und so mache dich daran. Anderenfalls wirst du wohl anfangs lustig daran gehen, weil du nicht bedacht hast, was nachkommt. Danach aber, wenn sich etliche Schwierigkeiten zeigen, wirst du mit Schanden davon gehen. (...) Anderenfalls wirst du dich wie die Kinder betragen, die bald die Rolle eines Ringers spielen, bald die eines Fechters, das eine Mal Trompeten blasen, dann wieder ein Schauspiel aufführen. So auch du, bald bist du ein Athlet, bald ein Fechter, dann ein Rector, dann ein Philosoph, aber nichts von ganzer Seele, sondern wie ein Affe, ahmst du jeden Auftritt, denn du siehst nach – und bald gefällt dir dies, bald das. Denn du bis nicht mit Überlegung an eine Sache gegangen und nicht mit Umsicht, sondern aufs Geratewohl, und mit frostigem Interesse. So wollen manche Leute wenn sie einen Philosophen gesehen haben, oder wenn sie jemanden reden hörten, wie Eufrat es redet (und doch, wer kann so reden wie er?), selbst auch Philosoph sein. Mensch, zuerst überlege, wie die Schache beschaffen ist. Dann prüfe auch deine eigene Natur, ob dir die Last nicht zu schwer ist. (..)


aus Epiktet – "Das Buch vom geglückten Leben"

Sonntag, 6. September 2009

Lebensweisheiten - Epiktet

Der See Czos bei Mrągowo




Versuchung und Widerstand
Vergiss nicht, bei jedem Vorfall in dich zu gehen und zu untersuchen, welches Mittel du besitzt, um daraus Nutzen zu ziehen:
Erblickst du einen Schönen oder eine Schöne, so wirst du ein Mittel dagegen finden – die Selbstbeherrschung, kommt Anstrengung, so findest du Ausdauer, kommt Schmach so findest du Kraft zum Erdulden des Bösen. Und wenn du dir das zur Gewohnheit machst, wird dich die Verstellung nicht hinreißen.


Was kostet Gemütsruhe
Fange also mit geringfügigen Dingen an: man verschüttet dir dein bisschen Öl, man stiehlt dir dein Restchen Wein. Denke dabei: So teuer kauft man Gelassenheit! So teuer Gemütsruhe! Umsonst bekommt man nichts!

Selbstverleugnung
Vergiss nicht, dass du dich im Leben wie bei einem Gastmahl betragen musst: Man bietet etwas herum, und es gelang zu dir. Strecke die Hand aus und nimm bescheiden davon; es geht an dir vorüber - halte es nicht auf, es will immer noch nicht kommen – blicke nicht aus der Ferne begehrlich darauf hin, sondern warte, bis es an dich kommt. Ebenso halte es im Bezug auf Kinder, Frauen, Ämter und Reichtum. Dann wirst du einst ein würdiger Tischgenosse der Götter sein. ...


Aus "Das Buch vom geglücken Leben"

Donnerstag, 4. Juni 2009

Dinge, die von Natur völlig abhängig sind




In Hunsrück



"Von den Dingen stehen die einen unter unserer Gewalt, die anderen nicht. In unserer Gewalt stehen: unsere Meinung, unser Handeln, unser Begehren und Meiden - kurz: all unser Tun, das von uns ausgeht." Epiktet, Handbüchlein

 
 
"Vorzüge des Eigentums
Und die Dinge, die in unserer Gewalt stehen, sind von der Natur frei.
 Sie können nicht verhindert und nicht in Fesseln geschlagen werden. Die
 Dinge aber, die nicht in unserer Gewalt stehen, sind schwach und völlig
 abhängig. Sie können verhindert und entfremdet werden.


Verwirrung aus Verwechselung
Wofern du nun Dinge, die von Natur völlig abhängig sind, für frei und
 Fremdes für Eigentum ansiehst, so vergiss nicht, dass du auf Hindernisse
 stoßen, in Trauer und Unruhe geraten und Götter rund Menschen anklagen
 wirst. Wenn du aber nur das, was wirklich dein ist als dein Eigentum
 betrachtest, das Fremde aber so wie es ist, als Fremdes, so wird dir
 niemand je Zwang antun. Niemand wird dich hindern, du wirst keinen
 schelten, keinen anklagen, wirst nicht eine Sache wider Willen tun. Niemand
 wird dich kränken, du wirst keinen Feind haben. Kurz, du wird’s keinerlei
 Schaden leiden."
 
Epiktet – Das Buch vom geglückten Leben

Sonntag, 20. Juli 2008

Vor dem Handeln überlege, Willy DeVille

Epiktet – Aus "Dem Buch vom geglückten Leben"

Versuchung und Widerstand
Vergiss nicht, bei jedem Vorfall in dich zu gehen und zu untersuchen, welches Mittel du besitzt um daraus Nutzen zu ziehen: erblickst du einen Schönen oder eine Schöne, so wirst du ein Mittel dagegen finden – die Selbstbeherrschung, kommt Anstrengung, so findest du Ausdauer, kommt Schmach so findest du Kraft zum Erdulden des Bösen. Und wenn du dir das zu Gewohnheit machst, wird dich die Vorstellung nicht hinreißen.

Selbstverleugnung (verkürzt)
Vergiss nicht, dass du dich im Leben, wie bei einem Bastmahl betragen musst: Man bietet etwas herum und es gelang zu dir. Strecke die Hand aus und nimm bescheiden davon; es geht an dir vorüber - halte es nicht auf, es will immer noch nicht kommen – blicke nicht aus der Ferne begehrlich darauf hin sondern warte, bis es an dich kommt. Ebenso halte es im Bezug auf Kinder, Frau, Ämter und Reichtum. Dann wirst du einst ein würdiger Tischgenosse der Götter sein.

Vor dem Handeln überlege (verkürzt)
Bei allem was du tun willst, achte auf das, was vorangeht und was nachfolgt; und so mache dich daran. Anderenfalls wirst du wohl anfangs lustig daran gehen, weil du nicht bedacht hast, was nachkommt. Danach aber, wenn sich etliche Schwierigkeiten zeigen, wirst du mit Schanden davon gehen. (...) Anderenfalls wirst du dich wie die Kinder betragen (..). Mensch, zuerst überlege, wie die Sache beschaffen ist. Dann prüfe auch deine eigene Natur, ob dir die Last nicht zu schwer ist.

Willy DeVille
“Am 25. August 1950 kommt Willy DeVille als William Borsay in Stamford zur Welt. Anfang der 60er Jahre verschlägt es ihn nach New York City. Die musikalischen Helden seiner Jugend sind Bob Dylan und Jimi Hendrix, von deren Einfluss sich DeVille nie lösen wollte. (...)
2008 erscheint mit "Pistola" ein weiteres Studioalbum, das erneut mit grundsolidem Songmaterial, gewohnt ambitionierten Texten und seinem unnachahmlichen Gesangsstil aufwarten kann. DeVille setzt dabei seine erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Produzenten John Philip Shenale (Bangles, Tori Amos, Robert Cray) fort.“
Pistola: „Fans schätzen seit jeher seine Vielfältigkeit, die sich vorwiegend als Fusion aus Rhythm And Blues, Folk-, Rock, Latin- und Cajun-Anleihen präsentiert. (..) Das eingängige "So So Real" eröffnet das Album mit an die Rolling Stones erinnernden Honky Tonk-Blues-Arrangement, wobei Willy sich gesanglich an die Klangfarbe der Stimme eines Bob Dylan anlehnt. (...) Mit "Pistola" hat der zotige Willy DeVille ein Werk veröffentlicht, das mit grundsolidem und entspanntem Songmaterial, erstaunlich facettenreichen Gesang und einer behutsamen Produktion überzeugt.

Gestern spielte und sang Willy DeVille auf dem Museumsplatz in Bonn. So so real!

Zu Willy's Auftritt schrieb WD das folgende Kommentar:
"- Willy DeVille war da, in Bonn, kettenrauchend, rauhkehlig melodiös singend und entspannten, aber intensiven Rock spielend; mit dem Stehen klappte es nicht mehr so ganz, saß oft (Jg. 50), Raucherbeine?" (http://wolfdoleys.blogspot.com/search?updated-max=2008-07-21T18%3A09%3A00%2B02%3A00&max-results=2)