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Mittwoch, 6. April 2011

Märzsonne


von Hermann Hesse
Trunken von früher Glut
Taumelt ein gelber Falter.
Sitzend am Fenster ruht
Schläfrig gebückt ein Alter.
Singend durchs Frühlingslaub
Ist er einst ausgezogen.
So vieler Straßen Staub
Hat sein Haar überflogen.
Zwar der blühende Baum
Und die Falter die gelben
Scheinen gealtert kaum,                                          
Scheinen heut noch dieselben.
Doch es sind Farbe und Duft
Dünner geworden und leerer,
Kühler das Licht und die Luft
Strenger zu atmen und schwerer.
Frühling summt bienenleis
Seine Gesänge, die holden.
Himmel schwingt blau und weiß,
Falter entflattert golden.

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Herbstgeruch




  Wieder hat ein Sommer uns verlassen,
  Starb dahin in einem Spätgewitter.
  Regen rauscht geduldig, und im nassen
  Walde duftet es so bang und bitter.


  Herbstzeitlose starrt im Grase bläßlich
  Und der Pilze wucherndes Gedränge.
  Unser Tal, noch gestern unermesslich
  Weit und licht, verhüllt sich und wird enge.


  Enge wird und duftet bang und bitter
  Diese Welt, dem Lichte abgewendet.
  Rüsten wir uns auf das Spätgewitter,
  Das des Lebens Sommertraum beendet!

Montag, 18. Januar 2010

Grauer Wintertag



von HERMANN HESSE


Es ist ein grauer Wintertag,

Still und fast ohne Licht,

Ein mürrischer Alter, der nicht mag,

Daß man noch mit ihm spricht.


Er hört den Fluß, den jungen, ziehn

Voll Drang und Leidenschaft;

Vorlaut und unnütz dünkt sie ihn,

Die ungeduldige Kraft.


Er kneift die Augen spöttisch ein

Und spart noch mehr am Licht,

Ganz sachte fängt er an zu schnei’n,

Zieht Schleier vors Gesicht.


Ihn stört in seinem Greisentraum

Der Möwen grell Geschrei,

Im kahlen Ebereschenbaum

Der Amseln Zänkerei.


All das Getue lächert ihn

Mit seiner Wichtigkeit;

Er schneielet so vor sich hin

Bis in die Dunkelheit