Kiew (ukrainisch Київ/Kyjiw; russisch Киев/Kijew) ist die Hauptstadt und größte Stadt der Ukraine sowie Verwaltungssitz des Oblast Kiew, dem sie jedoch nicht angehört. Sie liegt am bis hierhin für kleinere Seeschiffe befahrbaren Dnepr (ukrainisch: Dnipro/Дніпро) und hat 2.700.000 Einwohner, als Agglomeration 3.015.108 (Stand 1. Januar 2005). Die Universität wurde 1834 gegründet. Außerdem gibt es 99 Hochschulen, 25 Museen, ein Planetarium, Theater, botanische und zoologische Gärten. Aufgrund seiner vielen Kirchen und Klöster und seiner Bedeutung für die orthodoxe Christenheit wird Kiew seit dem Mittelalter als Jerusalem des Nordens bezeichnet (heute hört man häufiger Jerusalem des Ostens). Ferner wird Kiew aufgrund seiner geschichtlichen Rolle als Mutter aller russischen Städte bezeichnet. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs erhielt Kiew die Auszeichnung einer Heldenstadt.
Nach der offiziellen Volkszählung in der Ukraine lebten im Jahr 2001 in Kiew etwa 83 % Menschen ukrainischer und 13 % Menschen russischer Nationalität, wobei Menschen mit den gemischten russischen und ukrainischen Nationalitäten (das ist die Mehrheit) als Ukrainer gezählt wurden. Daneben gibt es noch kleine Minderheiten anderer Nationalitäten und Volksgruppen (Juden, Weißrussen, Polen, Armenier und andere).
Bei der öffentlichen Befragung 2005 haben insgesamt 64 % Ukrainisch und 34 % Russisch als ihre Muttersprache genannt. Die Sprachensituation Kiews hat sich im Laufe der Geschichte radikal verändert. Zur Zeit der Zaren und der Sowjetunion wurde das Ukrainische immer weiter vom Russischen verdrängt, in den 1980ern war Kiew fast ausschließlich russischsprachig. Nach dem Fall der Sowjetunion und seit der Unabhängigkeit der Ukraine ist jedoch wieder eine Tendenz zum Ukrainischen erkennbar, da es die Unterrichtssprache in den Schulen ist und viele Ukrainer, die ihre Eigenständigkeit gegenüber Russland betonen möchten, die ukrainische Sprache bevorzugen.
In Kiew sind Ministerien und Verwaltung, die Stahlindustrie, der Maschinenbau, der Flugzeugbau, die Chemieindustrie, die Nahrungs- und Genussmittelindustrie (Rozhen) und die Solarindustrie sowie weitere, wichtige Industrien oder Verwaltungen angesiedelt.
Kiew ist Anziehungspunkt für den Tourismus, wirtschaftliches Zentrum und neben Lemberg und Odessa kultureller Mittelpunkt des Landes. Kiew ist einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte Osteuropas als Schnittpunkt der Verkehrswege Istanbul/Athen-Sofia-Kiew-Minsk/Moskau und Westeuropa-Kaukasus. Außerdem hat Kiew einen Hafen am Dnepr.
Söhne und Töchter der Stadt:
- Michail Bulgakow, russischer Schriftsteller
- Zino Davidoff, ukrainisch-Schweizer Unternehmer
- Ilja Ehrenburg, sowjetischer Schriftsteller und Journalist
- Reinhold Glière, russischer Komponist
- Edward Gottlieb, russisch-US-amerikanischer Unternehmer
- Dmitri Grigorowitsch, sowjetischer Flugzeugkonstrukteur
- Kasimir Malewitsch, russischer Maler aus Kiew der „futuristischen“ Malerei
- Igor Markevitch, italienischer Komponist und Dirigent ukrainischer Herkunft
- Jacob Marschak (1898–1977), US-amerikanischer Ökonom und Wissenschaftler
- Golda Meïr, israelische Politikerin
- Alexander Mossolow, russischer Komponist
- Vaslav Nijinsky, polnisch-russischer Balletttänzer und Choreograph
- Alexander Ostrowski (1893–1986), Schweiz. Mathematiker
- Jewgeni Paton, ukrainischer Wissenschaftler und Erfinder des Lichtbogenschweissens
- Rudolf Aloys Valerian Plank (1886–1973), deutscher Kälteforscher („Kältepapst“), Physiker
- Manuel Saitzew (1885–1951), Schweizer Nationalökonom
Quelle: Wikipedia