Mittwoch, 3. Juni 2009

Per Los nach Europa


Schatten des Hoxeler Eisenbahnviadukts


Per Los nach Europa

Von Hans D. Barbier

In vier Tagen findet die Wahl zum Europäischen Parlament statt. Noch vor nicht allzu langer Zeit wäre eine solche Mitteilung von nicht wenigen Wahlberechtigten als eine Meldung mit überraschendem Neuigkeitswert wahrgenommen worden. Zur Europa-Wahl musste noch am Vorabend wirklich laut gerufen werden. Da hat sich mittlerweile einiges zum Besseren im Sinne der Aufmerksamkeit für "Europa" getan.

Die Meinung vieler Bürger, es sei nicht so recht für ihre Mitwirkung als Wähler bestimmt, was sich da irgendwo in den Tiefen von Verträgen tut, die vielleicht schon lange, vielleicht aber auch noch gar nicht ratifiziert sind, bestimmt allerdings immer noch ein gerütteltes Maß an Abstand zwischen Europa und seinen Bürgern. Als Raum für die Wahrnehmung von Reisefreiheiten, von Lebens- und Erwerbschancen ist Europa vielen Bürgern in allen Mitgliedsländern nähergerückt. Als ordnungsrelevante Rechtsfigur ist das politisch gestaltete Europa indessen nicht gerade ein Muster an Bürgernähe geworden. Das tut dem Wert Europas als Einigungswerk nicht gut.

Die politischen Stiftungen in Deutschland sind daher bemüht, die empfundene Entfernung zwischen "Europa" und seinen Bürgern zu verringern. Das ist eine verdienstvolle Aufgabe. Denn was die "Idee Europa" wert ist, liegt an der Qualität der Ordnung, die aus der Verwirklichung dieser Idee entspringt. Dieser Prozess ist ohne Bürgerinteresse nicht zu wecken und nicht wachzuhalten. Die "Friedrich Naumann-Stiftung für die Freiheit" - die politische Stiftung der Liberalen - hat jetzt unter dem naheliegenden Titel "Für ein Europa der Freiheit" ein Bändchen herausgebracht, in dem Fragen zu den Qualitätsbedingungen und den Qualitätsaussichten der europäischen Ordnung aufgeworfen und aus liberaler Sicht beantwortet werden.

Nicht nach dem Zufallsprinzip, sondern in der Zustimmung zu seinem Hang zur Zuspitzung seien hier einige Thesen von Roland Vaubel, dem Inhaber des Lehrstuhls für "Volkswirtschaftslehre und Politische Ökonomie" an der Universität Mannheim, vorgestellt. Vaubel beklagt - beileibe nicht als einziger der Autoren des Bändchens, aber eben besonders lebhaft - den Machtzuschnitt der Kommission, der sich aus der ordnungspolitisch unguten Kombination von gesetzgebenden, ausführenden und quasijudikativen Funktionen erkläre. Die Kommission, stellt Vaubel mit Blick auf die anstehende Wahl zum Europäischen Parlament fest, entwickele und pflege ihre Macht unbehelligt von den Abgeordneten. Die EU-Parlamentarier hätten nämlich ein ureigenes Interesse, die Politik auf EU-Ebene zu zentralisieren, denn jede Übertragung von Kompetenzen an die Europäische Union vergrößere auch ihre Macht.

Vaubel und - in einem eigenen Beitrag der emeritierte Professor für Nationalökonomie an der Universität Basel - Peter Bernholz schlagen daher vor, das Europäische Parlament solle sich künftig die gesetzgebende Gewalt mit einer zweiten Kammer teilen, die sich aus Abgeordneten der nationalen Parlamente zusammensetzt. Diese Abgeordneten sollen nicht aus ihren Herkunftsparlamenten ausscheiden, damit ihnen nicht der Sinn für den Wert nationaler Parlamente verlorengeht. Und sie sollen per Los ermittelt werden, um zu verhindern, dass sich in der Zweiten Kammer des Europäischen Parlaments lauter Abgeordnete einfinden, die sozusagen über eine mental eingebaute Präferenz für "Europa" verfügen und die sich daher einer zunehmenden Zentralisierung der legislativen Macht im Europa-Parlament nicht widersetzen.

Das Modell "Per Los nach Europa" ist nicht das Modell des jetzt zu wählenden und wohl auch noch nicht des eine Legislaturperiode später zu wählenden Europäischen Parlaments. Aber es zeigt doch, wie bisweilen die großen Fragen der Ordnungspolitik mit den kleinen Tricks des Arrangements zusammenhängen können.

Der Autor ist Vorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung.

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.06.2009, Nr. 126, S. 11

Dienstag, 2. Juni 2009

Brücken finden / Ein Paar, zwei Orte


Hoxeler Eisenbahnviadukt
(nur 42 m hoch und 160 m lang)



Ein Paar, zwei Orte


Die Arbeit läuft gut, die Liebe hat das Nachsehen. Aus beruflichen Gründen lebt heute jedes siebte Paar in einer Fernbeziehung. Und die Zahl steigt.

Von Ursula Kals

Ralf Eichenberg hat eine Arbeit, die vielen Menschen träumerischen Glanz in die Augen treibt. Der Mann ist Pilot und fliegt für das private Flugunternehmen Netjets Manager von A nach B. Manchmal ereilt seine Frau Vera Sagan dann ein Anruf aus Marrakesch, Madrid oder Moskau, wenn sie in Hamburg mit ihren beiden Söhnen den Alltag stemmt. Noch bis vor einem halben Jahr hat die Diplomingenieurin für Bekleidungstechnik rund 30 Wochenstunden gearbeitet. Ihre Kinder Emil und Konrad, vier und sechs Jahre alt, versorgte sie dann sechs Tage lang allein. So lange arbeitet ihr Mann fern von Hamburg. Hilfsbereite Großeltern, die die Familie entlasten könnten, "sind übers Land verteilt". Inzwischen kümmert sich die 35-Jährige ganztags um ihre Familie. Sie hätte in ihrem Beruf noch stärker präsent sein müssen, Dienstreisen eingeschlossen, "da war klar, dass ich das nicht guten Gewissens machen konnte".

Die Freude ist groß, wenn ihr Mann dann seine vier, fünf freien Tage hat und wieder daheim in Hamburg ist. Mit optimistischem Realismus hat sich Vera Sagan auf den Rhythmus von Willkommen und nahem Abschied eingestellt. Ihr Mann mag seinen spannenden Beruf, er verdient mehr als sie, und es gab auch schon andere Zeiten. Zum Beispiel das Jahr, in dem er wechselweise von Rostock und Dortmund losflog und sich die Dienstpläne ständig änderten. "Das war sehr stressig, man konnte Einladungen nicht verbindlich zusagen und glaubte erst, dass er wirklich da war, wenn er in der Tür stand." Ein weiteres Jahr flog er für Finnair, war 14 bis 16 Tage unterwegs und dann vier Tage in Hamburg. Die Frühschichten und Nachtflüge schlauchten. Seit zwei Jahren hat sich der Alltag etwas entspannt. Beim jetzigen Arbeitgeber sind die Dienstpläne verlässlich, "und es gibt sie sechs Wochen im Voraus", freut sich Vera Sagan. Fliegt der Mann mit Geschäftsleuten über den Wolken, regelt seine Frau das Leben in Hamburg, packt Schwimmrucksack und Spielplatztasche, liest Gutenachtgeschichten, geht zum Elternabend und hat den Alltag durchorganisiert. Dann trifft ihr Mann ein. "Wir brauchen alle einen Tag, um warm zu werden, und müssen uns dann wieder aneinander gewöhnen."

Peter Wendl, Theologe und Therapeut, bestätigt diese Erfahrung. Schließlich treffen zwei Menschen "aus gänzlich verschiedenen Alltagen" am Wochenende aufeinander. "Es ist nie einfach nur ein Wiedersehen - es ist immer auch ein Neuanfang. Diese Paare müssen zwei unterschiedliche Lebenswelten vereinbaren: die getrennten Phasen während der Woche sowie die gemeinsamen Wochenende-Zeiten. Das kann ein zermürbender Rhythmus sein." Wendl hat über Fernbeziehungen promoviert. Titel seiner Dissertation: "Fernbeziehungen - zwischen Krise und erfüllender Partnerschaft". Er arbeitet am Zentralinstitut für Ehe und Familie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und hat Gespräche mit mehr als 600 Pendlerpaaren geführt, unter anderem berät er in seinen Seminaren Soldaten, deren mehrmonatige Auslandseinsätze die Vereinbarkeit von Ehe und Familie auf eine harte Probe stellen können.

Vera Sagan und ihr Mann haben sich auf ihr ungewöhnliches Leben eingestellt. Sie sind sich über Grundsätze in der Erziehung einig und darüber, dass nicht länger aufgeblieben wird, wenn Papa da ist. Was viel entscheidender für ein glückliches Miteinander ist: Sie haben "den Hektikdauerlauf" eingestellt, mit dem sie früher die kostbaren gemeinsamen Tage bestritten haben: Getränke holen, Vorsorgetermin beim Kinderarzt, Treffen mit Freunden, alles wurde in die drei Tage gepackt.

Das ist ein klassischer Fallstrick vieler Distanzlieben. Nach dem vermeintlichen Single-Dasein soll das Leben und die Liebe intensiv nachgeholt werden. Selbstkritisch sagt die Ingenieurin. "Ich habe da manchmal aus dem Blick verloren, dass mein Mann gearbeitet hat und ebenso Erholung braucht." Heute haben sie das Tempo gedrosselt, auch mit Blick darauf, dass ihr Mann mit seinen 46 Jahren bis zur Pensionierung noch einige Jahre fliegen wird und das Lebensmodell weiter harmonisch funktionieren soll. Seitdem breitet sich Zufriedenheit aus. "Hauptsache, die Familie funktioniert gut", sagt Sagan. Und Zeit für mehr Zweisamkeit eroberten sie zurück, "das fällt uns leichter, je älter die Kinder werden".

Weniger an Unternehmungen sei oft mehr an Lebensqualität, gerade für Fernliebende, bestätigt der Paarforscher und rät den Partnern zu "Zeitinseln" für Nichtstun und Spontaneität. "Überfrachten Sie die gemeinsame Zeit nicht mit zu vielen Erwartungen und Plänen. Es muss nicht immer ein Feuerwerk an Aktivitäten in den gemeinsamen Phasen ablaufen. Auf Vorrat Liebe, Kommunikation, Sexualität ansammeln, das können und brauchen wir nicht", erklärt Peter Wendl. Er nennt diesen Drang, eine perfekte, konfliktfreie Zeit zu zweit zu inszenieren, den "Weihnachtseffekt". Wendl weiß, wozu er anderen rät, acht Jahre sind er und seine Frau zwischen Städten und Ländern gependelt, bevor sie gemeinsam eine Wohnung in München bezogen haben.

Der 39-Jährige reiht sich ein in die mehr als 25 Prozent Akademiker, die über Jahre hinweg eine Fernbeziehung führen. Damit diese gelingt, seien zwei Dinge entscheidend. Erstens, mittelfristig gemeinsame Perspektiven vom Zusammenziehen zu entwickeln. Und zweitens, einen erfüllenden Alltag auch alleine zu gestalten, um auch diese Solozeit als schön erleben zu können. Unerlässlich ist eine gute Kommunikation, dazu gehört auch, betont Wendl, "den Partner an Banalem teilhaben zu lassen". Mails und Bildtelefon erleichtern vieles. Dennoch oder gerade deshalb empfiehlt Wendl den guten, alten Brief, "das ist ein Therapeutikum". Sich gut zu verständigen scheint in einer Fernbeziehung noch wichtiger zu sein als in jeder anderen Bindung. "Die Fernbeziehung ist ein Trainingslager für die Liebe", sagt Paarexperte Wendl. Freitag kommt nicht derjenige nach Hause, der Montag gegangen ist. "Heimliche Wünsche werden unheimlich selten erfüllt. Sagt euch rechtzeitig, was ihr in der gemeinsamen Zeit wirklich wollt. Soll es das Picknick mit Freunden sein, das Tanztheater, oder möchte ich einfach nur neben dir liegen, dich atmen hören?"

Die Vorteile der Distanzliebe? Vera Sagan lacht: "Die suchen wir noch immer." Vor allem, seit die Kinder auf der Welt sind. "Uns fällt die Lebensform relativ leicht, eben weil wir ohne Kinder leben", sagt dagegen Sylvia Knecht. Sie ist Geschäftsführerin von Cologne Bonn Business und für das Standortmarketing zuständig. Ihr Mann Klaus Köhler ist Projektmanager, spezialisiert auf Konsolidierungsprozesse. Er berät in ganz Deutschland unter anderem Unternehmen aus der Auto- und Medienbranche. Beide finden Erfüllung in ihren Berufen und erleben Abendtermine und Überstunden nicht als Belastung. Der Wirtschaftsprüfer hat oft 15-Stunden-Tage und während seiner drei- bis sechsmonatigen Einsätze ein Apartment vor Ort. Mit dem Leben aus dem Koffer haben sich beide gut arrangiert, auch vorher sind sie viel beruflich gependelt und geübt im Dienstreisenleben. "Ab einer gewissen Ausbildungsqualifikation gehört das bei vielen dazu. Schauen Sie sich an, wen man Montag oder Freitag auf Flughäfen und Bahnhöfen trifft", sagt Sylvia Knecht.

Fast wirkt es, als repräsentierten die 45-Jährigen das perfekt organisierte Pendlerpaar. Jeder pflegt Freundschaften. Die neue Lieblings-CD wird auf den iPod gebannt. Wochenenden werden nicht mit Friseurtermin und Abstechern in die Reinigung verstopft, all das erledigen die Teilzeit-Singles möglichst während der Woche. "Wir versuchen, die Wochenenden arbeitsfrei zu halten. Das gelingt natürlich nicht immer", sagt Sylvia Knecht. Wenn sie dann einkaufen, kochen oder im Garten werkeln, tun sie das möglichst gemeinsam. Und sie versuchen konsequent, sich einen Abend in der Woche zu sehen, mal sitzt sie, mal sitzt er im Zug. Ihr Hauptwohnsitz ist im Raum Köln, "ein großer Vorteil, die Bahnverbindungen sind gut". Hier scheint das Fernliebe-Klischee zuzutreffen, dass die Sehnsucht aufeinander wach bleibt, die Unruhe, dass in beiden Leben viel geschieht, anregend wirkt. "Man genießt einen Kinoabend bewusster, freut sich aufeinander und gibt sich Mühe. Auch optisch", sagt die Managerin, "ich käme nicht auf die Idee, ihm im Jogginganzug entgegenzutreten."

Lesetipp: Peter Wendl: Gelingende Fern-Beziehung. Entfernt zusammen wachsen. Herder-Verlag. 9,90 Euro.

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.05.2009, Nr. 124, S. C1

Montag, 1. Juni 2009

Pfingstrosen / Zum Internationalen Kindertag





Riedenburg und Pfingstrosen in Hunsrück




Aus dem Gedicht „Pfingsten“

von Otto Julius Bierbaum

Der kühle Morgen ist erwacht,
Die Sonne kämpft die Nebelschlacht,
Und siegend als ein freudger Held
Tritt sie ins alte Himmelszelt.

Vor Liebchens Fenster steh ich schon,
Sie ist wohlauf und kennt den Ton,
Ich singe, was ihr klinget süß -
Da hast du tausend Morgengrüß!

Wir wollen über die Berge gehn,
Wir wollen zusammen den Frühling sehn!
Horch, wie es froh vom Hügel schallt,
Es weht so frisch vom dunklen Wald.



Erziehungs-Ratgeber

Eltern, erzieht euch selbst!

Von Friederike Reents


01. Juni 2009 „Warum unsere Kinder Tyrannen werden“, wollte der Psychiater Michael Winterhoff vor einem Jahr wissen (siehe Erziehungsratgeber: Erziehen wir unsere Kinder zu Tyrannen?) und lieferte mit seinem gleichnamigen Bestseller auch gleich die Antwort: Seine Diagnose von der „Abschaffung der Kindheit“ hatte offenbar den Nerv der Zeit und den Nagel auf den Kopf getroffen. Winterhoff suchte und fand die Gründe dort, wo sie entstehen: in den Familien selbst, in dem Beziehungs- und Kommunikationsgeflecht, in dem ein Kind aufwächst.

Winterhoffs zugespitzte These lautet: An der Abschaffung der Kindheit sind vor allem die Erziehungsberechtigten selbst schuld, die Eltern, aber auch Lehrer und Großeltern, die den Kindern ihre Kindheit rauben, weil sie Kinder nicht als das wahrnehmen, was sie sind: als Kinder.

In seinem Nachfolgebuch möchte Winterhoff nun darlegen, „wie Erwachsene erkennen können, ob sie sich in einer Beziehungsstörung befinden“, und „Wege aufzeigen, wie man dem Dilemma entkommen, also die Störung auflösen kann“. Entscheidend für das Sozialverhalten des Erwachsenen ist, dass er als Kind auch psychisch reifen konnte. Im Kindesalter kann die psychische Entwicklung, so Winterhoff, in vielen Fällen noch nachgeholt werden, gewissermaßen nachreifen. Voraussetzung dafür ist aber die Einsicht der Eltern und deren Bereitschaft, mit Geduld und ohne Perfektionsdrang an sich selbst zu arbeiten.


Ein Fallbeispiel

Der Autor schildert den Fall eines dreizehnjährigen Jungen, den er in seiner psychiatrischen Praxis behandelt: Der familiäre Hintergrund scheint ideal, die Eltern sind gut situiert und guten Willens, das Kind zu erziehen. Der Junge aber gibt sich erziehungsresistent, tut und lässt, was er will, seine Liste an Fehlverhalten, wie etwa Demolieren der Wohnung oder Radfahren auf der Autobahn, ist lang, die Eltern sind macht- und ratlos. Die Fragen, die Winterhoff an ihn richtet, perlen ab.

Die Ursache dafür, so der Psychiater, liegt jedoch nicht in aufsässigem Verhalten oder gar schlechtem Charakter, sondern in einer symbiotischen Eltern-Kind-Beziehung. Die „psychisch mit ihm von Anfang an verschmolzenen Eltern haben es ihm nie ermöglicht, sich als abgegrenztes Individuum zu erfahren“. Als Winterhoff dem Jungen schließlich mit Nachdruck seine Missetaten vor Augen führt, fängt dieser an zu weinen, aber keineswegs als Ausdruck von Verstehen oder Schuldbewusstsein, sondern „weil er nicht in der Lage ist, zu erfassen, warum ich ihn so angehe“. Der Junge ist „vollständig in der Vorstellung gefangen, alleine auf der Welt zu sein“.


Heikle Symbiose

In der symbiotischen Eltern-Kind-Beziehung begreifen Eltern ihr Kind wie einen eigenen Körperteil, ihre Psyche ist mit der des Kindes verschmolzen; ohne es zu merken, werden sie von diesem gesteuert. Weist ein Dritter auf Fehlverhalten des Kindes hin, liegt die Begründung stets außerhalb, schuld sind immer die anderen oder aber die Umstände. Spätere Versuche, auf das Kind einzureden, zu drohen oder zu strafen, führen in aller Regel zu nichts. Die mangelnde Abgrenzung seitens der Eltern bringt die psychische Entwicklung des Kindes zum Stillstand, „es verharrt in der frühkindlich-narzisstischen Phase, sein Weltbild ist so geprägt, dass es nicht zwischen Menschen und Gegenständen unterscheiden kann“ - ein alarmierender Befund.

Winterhoff spricht von einem „emotionalen Missbrauch“, der nicht nur bei Symbiose vorliegt, sondern ebenso, wenn Eltern ihr Kind als Partner oder aber als Projektionsfläche begreifen. In der „Partnerschaft“ sieht der Erwachsene das Kind auf gleicher Ebene, Ursache ist meistens ein starkes Harmoniebedürfnis, das Kind soll - obwohl überfordert - gleichberechtigt agieren. Die Folgen sind Endlosdiskussionen, mangelnde Sicherheit im Umgang mit Erwachsenen und fehlende Frustrationstoleranz. In der Projektion indes sucht der Erwachsene unbewusst nach Anerkennung und Liebe durch das Kind, um seine eigenen Unsicherheiten zu kompensieren. Die Angst davor, die Zuneigung des Kindes zu verlieren, bewirkt erneut eine Machtumkehr.

Das Entscheidende, so das Fazit dieses Buchs, das Winterhoff an Hand von vielen Fallbeispielen sehr anschaulich macht, ist nicht, Kindern Grenzen zu setzen, Kinder aufzufordern, Grenzen zu finden. Wichtiger und gleichsam Bedingung dafür, Grenzen zu setzen, ist, selbst abgegrenzt aufzutreten und dem Kind die Möglichkeit zu geben, sich abgegrenzt zu erfahren und selbstbewusst zu entwickeln. So wird es zumindest wahrscheinlicher, dass das Kind später in der Lage ist, Beziehungen einzugehen, die nicht auf Symbiose oder Projektion basieren, sondern auf Nähe und Vertrauen.


Michael Winterhoff:„Tyrannen müssen nicht sein. Warum Erziehung allein nicht ausreicht“. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2009. 191 S., geb., 17,95 Euro.


Montag, 18. Mai 2009

Umarme Deine Wut, Vertrackte Beziehungen



Umarme deine Wut
von Thich Nhat Hanh


http://www.amazon.de/Umarme-deine-Thich-Nhat-Hanh/dp/3896201107

Kurzbeschreibung
Dieses Buch stellt drei Versionen des Sutra der vier Verankerungen der Achtsamkeit zusammen mit den entsprechenden Kommentaren Thich Nhat Hanhs vor. Wir lernen, ganz bei uns zu sein und mit Emotionen wie Wut, Eifersucht und tiefer Verletzung umzugehen; in unseren Kindern, Partnern und Freunden ihre besten Eigenschaften zu nähren; unseren eigenen Tod und den Tod von uns nahestehenden Menschen mitfühlend und ohne Verzweiflung anzunehmen.Thich Nhat Hanh, vietnamesischer Zen-Meister, Dichter und führender Vertreter eines sozial-engagierten Buddhismus, gehört zu den bekanntesten buddhistischen Lehrern der Gegenwart. Seine Fähigkeit, die Bedeutung der buddhistischen Lehren für unsere heutige Zeit verständlich und klar darzulegen, haben ihn weit über buddhistische Kreise hinaus bekannt gemacht.Thich Nhat Hanh, 1926 in Vietnam geboren, ist einer der bekanntesten zeitgenössischen buddhistischen Persönlichkeiten. Er lebt seit vielen Jahren im französischen Exil in der von ihm gegründeten Gemeinschaft "Plum Village". Er lehrt weltweit und ist Autor zahlreicher Bücher, die in viele Sprachen übersetzt wurden.


Vertrackte Beziehungen. Die versteckte Logik sozialen Verhaltens

von Albert Martin und Volker Drees

http://www.amazon.de/Vertrackte-Beziehungen-versteckte-sozialen-Verhaltens/dp/3896781448/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1242671945&sr=1-1

Kurzbeschreibung
Das menschliche Leben ist voller Widersprüche. Diese sind jedoch keineswegs naturgegeben; sie werden auch nicht von widrigen Umständen verursacht oder dem Menschen aufgedrängt, sondern sie entstehen aus seiner eigenen Widersprüchlichkeit. Das Buch befasst sich mit sozialen Fallen, Dilemmata, Paradoxien und mit Interaktionszirkeln, die selbst die einfachste Begegnung mißlingen lassen. Neben lebensnahen Beschreibungen "verfahrener" Alltagssituationen untersuchen Albert Martin und Volker Drees die Handlungslogik, die sich dahinter verbirgt.

Mittwoch, 13. Mai 2009

Taxman, Bionik

Beatles-Ouverture, Taxman:

Let me tell you how it will be,
There’s one for you, nineteen for me,
‘Cos I’m the Taxman,
Yeah, I’m the Taxman.
Should five per cent appear too small,
Be thankful I don’t take it all.
‘Cos I’m the Taxman,
Yeah yeah, I’m the Taxman.

(If you drive a car car), I’ll tax the street,
(If you try to sit sit), I’ll tax your seat,
(If you get too cold cold), I’ll tax the heat,
(If you take a walk walk), I’ll tax your feet.
Taxman.

‘Cos I’m the Taxman,
Yeah, I’m the Taxman.
Don’t ask me what I want it for
(Ah Ah! Mister Wilson!)
If you don’t want to pay some more
(Ah Ah! Mister Heath!),
‘Cos I’m the Taxman,
Yeeeah, I’m the Taxman.

Now my advice for those who die, (Taxman!)
Declare the pennies on your eyes, (Taxman!)
‘Cos I’m the Taxman,
Yeah, I’m the Taxman.
And you’re working for no-one but me,
(Taxman).

Bionik
Die Bionik (auch: Biomimikry, Biomimetik, Biomimese) beschäftigt sich mit der Entschlüsselung von „Erfindungen der belebten Natur“ und ihrer innovativen Umsetzung in der Technik. Die Bionik ist ein interdisziplinärer Bereich, in dem Naturwissenschaftler und Ingenieure sowie bei Bedarf auch Vertreter anderer Disziplinen wie etwa Architekten, Philosophen und Designer zusammenarbeiten.
Das deutsche Kofferwort Bionik setzt sich aus Biologie und Technik zusammen und bringt damit zum Ausdruck, wie für technische Anwendungen Prinzipien verwendet werden können, die aus der Biologie abgeleitet werden. Die Bionik ist systematisches Lernen von der Natur und steht damit in Abgrenzung zur reinen Naturinspiration.
Wikipedia

Was machen Bienen? Was können wir von ihnen lernen?
„Uni im Rathaus: Bionik - Vorbildliche Raffinessen“
Prof. Dr. Dieter Wittmann
Naturwissenschaften
Uni Bonn

Sonntag, 10. Mai 2009

Zum Muttertag



Weil Du die beste Mutter bist,
schenk' ich Dir Schokolade.
Und wenn Du sie alleine isst,
dann finde ich es schade!

(unbekannter Autor)

Donnerstag, 7. Mai 2009

Ichgeschichten, Bildunghoch 2


Sonnenseite...
da liest man gern.

„Manchmal scheint mir auch, dass jedes Buch, so es sich nicht befasst mit der Verhinderung des Krieges, mit der Schaffung einer besseren Gesellschaft und so weiter, sinnlos ist, müssig, unverantwortlich, langweilig, nicht wert, dass man es liest, unstatthaft. Es ist nicht Zeit für Ichgeschichten. Und doch vollzieht sich das menschliche Leben oder verfehlt sich am einzelnen Ich, nirgends sonst.“

Mein Name sei Gantenbein - Max Frisch


Die Weiterbildungsmesse Bildunghoch2
am 8. und 9. Mai 2009 in Frankfurt am Main


Auf der Weiterbildungsmesse Bildunghoch2 präsentieren zwei Tagen lang hochkarätige Bildungsanbieter aus ganz Deutschland Absolventen, jungen Berufstätigen und Personalverantwortlichen ihre breiten Paletten im Weiterbildungssektor auf dem Campus Gelände der Frankfurter Goethe-Universität.

Unter der Schirmherrschaft der Goethe-Universität Frankfurt am Main, WissWeit - dem hessischen Hochschulnetzwerk und Weiterbildung Hessen e.V. bietet die Weiterbildungsmesse Bildunghoch2 Fachbesuchern und privat Interessierten die Gelegenheit in Dialog zu treten, Seminarinhalte in Workshops kennenzulernen oder auch praktische Übungen auszuprobieren.

Das und mehr unter: http://www.bildunghoch2.de/cms/