Mittwoch, 7. Januar 2009

Europa an der Oder-Neiße-Grenze

Nach Polen hinüberschlendern


Auch 2008 hat sich Europa weiterentwickelt - besonders an Deutschlands Ostgrenze / Von Stefan Dietrich


Viele fürchteten nach der Grenzöffnung einen Anstieg der Kriminalität. Das ist nicht passiert.


In der öffentlichen Wahrnehmung war das abgelaufene Jahr wieder einmal ein verlorenes für Europa. Das Nein der Iren zum Lissabonner Vertrag schien alle Integrationsbemühungen zu paralysieren. Für die Bürger der acht osteuropäischen EU-Länder, die am 21. Dezember 2007 dem Schengen-Raum beigetreten sind, war der Fortschritt aber unübersehbar. Quer durch Europa fahren zu können, ohne den Pass vorzeigen oder den Kofferraum öffnen zu müssen, ist für Esten, Litauer und Polen immer noch eine neue und beglückende Erfahrung. Die Älteren von ihnen erinnern sich noch gut an Zeiten, in denen sie vor jeder Auslandsreise erst einen Pass beantragen und dann tagelang vor fremden Konsulaten für ein Visum anstehen mussten.


Verschwunden sind die kilometerlangen Lastwagenschlangen vor der polnischen Grenze, obwohl der Lkw-Verkehr dort im vergangenen Jahr um mehr als zwanzig Prozent zugenommen hat. In den Zollhäuschen, die noch stehen, wird heute Geld gewechselt. Für deutsche Ostsee-Urlauber war es in diesem Jahr noch etwas Besonderes, einfach einmal am Strand entlang nach Polen hineinzuschlendern und zu spüren, wie sehr die berühmt-berüchtigte Oder-Neiße-Grenze ihren trennenden Charakter verloren hat. Studenten der Europa-Universität Viadrina aber überqueren die Oder zwischen Frankfurt und Slubice schon so selbstverständlich, als wechselten sie nur die Straßenseite.

Dem Wegfall der Grenzkontrollen hatte man auf deutscher Seite mit gemischten Gefühlen entgegengesehen. Die Gewerkschaft der Polizei hielt ihn für verfrüht; sie warnte vor einer Zunahme der Kriminalität und unkontrollierter Grenzübertritte. Die Befürchtungen haben sich als weitgehend unbegründet erwiesen. Nach Angaben des Innenministeriums in Brandenburg sind in den ersten zehn Monaten 2008 sogar knapp sechs Prozent weniger Straftaten in der Grenzregion registriert worden. Auch bei den Diebstählen gab es einen leichten Rückgang. An einzelnen grenznahen Orten in Brandenburg und Sachsen, wo zunächst eine auffällige Häufung von Fahrzeugdiebstählen vorkam, haben deutsch-polnische Sonderkommissionen diese Entwicklung gestoppt. Die Polizeigewerkschaft verweist zwar darauf, dass den amtlichen Zahlen nun eine höhere Dunkelziffer gegenüberstehe, spricht aber mittlerweile nicht mehr von gestiegener, sondern von gleich gebliebener Kriminalität.


Denn kontrolliert wird die Grenze natürlich auch jetzt noch, nur anders. Wie an allen Schengen-Binnengrenzen bestreichen Zoll- und Polizeistreifen einen jeweils dreißig Kilometer tiefen Grenzstreifen. Erlaubt sind sogar grenzüberschreitende Verfolgungen; Festnahmen allerdings nur mit Hilfe der zuständigen Landespolizei. Im gemeinsamen Lagezentrum in Swiecko arbeiten sechzig deutsche und polnische Beamte zusammen - alle zweisprachig -, die Verbindungen zu den verschiedenen Sicherheitsbehörden ihrer Länder haben. Anfragen zu gesuchten Personen, Fahrzeughaltern oder gestohlenen Autos werden dort nun sehr viel schneller abgewickelt, als das früher möglich war.


Während sich die negativen Auswirkungen der Grenzöffnung im erwarteten Rahmen hielten, gab es andere Entwicklungen, mit denen niemand so schnell gerechnet hatte. Furore machte vor einem Jahr "der erste deutsche Gastarbeiter in Polen", der an einer grenznahen Tankstelle die dort zahlreich vorfahrende deutsche Kundschaft bediente. Bei dem einen, der gewiss auch nicht der Erste war, ist es nicht geblieben. Stettin, die westlichste Großstadt Polens, zieht immer mehr Arbeitswillige aus Vorpommern und der Uckermark an, seit das Pendeln nicht mehr mit Grenzformalitäten verbunden ist. Umgekehrt hört man von wohlsituierten Stettinern, die im vorpommerschen Löcknitz Eigenheime bauen und Wohnungen kaufen, weil die Immobilienpreise dort unter denen auf der polnischen Seite liegen. Polnische Unternehmer investieren auf der deutschen Seite, weil sie dort leichter in den Genuss staatlicher Zuschüsse kommen und qualifiziertes Personal finden.


Neben der Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko galt die deutsche Ostgrenze vor wenigen Jahren noch als diejenige mit dem stärksten Wohlstandsgefälle in der Welt. Damit vor allem hatten Deutschland und Österreich bei der Ost-Erweiterung der EU 2004 ihren Widerstand gegen eine sofortige Einführung der Arbeitnehmerfreizügigkeit gerechtfertigt. Aus demselben Grund bestand Polen im Gegenzug darauf, den Immobilienerwerb für Deutsche für eine Übergangszeit zu beschränken. Die Gründe für diese Restriktionen, die zum 1. Mai 2009 letztmalig bis 2011 verlängert werden können, sind mittlerweile weitgehend entfallen: Einerseits haben sich die Grundstückspreise in attraktiven Lagen deutlich angenähert, andererseits wirken die Arbeitsbeschränkungen für Polen in den deutschen Grenzregionen mittlerweile eher als Hemmschuh denn als Schutz für die eigene Entwicklung.


Für die Regierung in Warschau sei Arbeitnehmerfreizügigkeit schon "das Thema von gestern", sagte Maciej Duszczyk, ein Berater von Ministerpräsident Tusk, im Dezember beim Deutsch-Polnischen Forum in Berlin. "Unser Thema heute ist die Rückkehr der Migranten." Polen wirbt aktiv und mit Erfolg um jene, die in Großbritannien und Irland, wo sie freien Zugang hatten, Arbeit fanden. Der Kursverfall des Pfundes und die gestiegenen Löhne in der Heimat erleichtern manche Entscheidung zur Rückkehr. Viele Arbeitsmigranten hatten ohnehin ihre Familien in Polen zurückgelassen und sich nur auf Zeit im Ausland verdingt. Die deutsch-polnische Kopernikus-Gruppe appellierte Ende Dezember an die Bundesregierung, die bestehenden Restriktionen nicht noch einmal zu verlängern, weil die beiderseits damit verbundenen Befürchtungen - Angst vor ungebremstem Zuzug von Billigarbeitskräften hier; Angst vor deutschem "Drang nach Osten" dort - gegenstandslos geworden seien.


Die Wahrscheinlichkeit, dass die Politik im Wahl- und Krisenjahr 2009 ihrem Appell folgen werde, schätzt die Kopernikus-Gruppe selbst gering ein. Doch schon der Befund, wie sehr sich die Verhältnisse an der einst so schmerzhaft empfundenen und mit Konflikten beladenen Oder-Neiße-Grenze verändert haben, ist ein deutliches Indiz dafür, dass Europa auch dann nicht stillsteht, wenn es in Brüssel einmal keine Fortschritte zu geben scheint.


Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.01.2009, Nr. 2, S. 10


Sonntag, 4. Januar 2009

Die Beschaffenheit seines Glücks kennen lernen


Aus dem WD-Archiv


„Veränderungen erfolgen heute im Galopp“

Alfred Schindler zu Unternehmertum und Globalisierung



Ausschnitte aus dem Interview mit Alfred Schindler (CEO und VR-Präsident von Schindler-Konzern)

Erschienen in der Neuen Zürcher Zeitung am 3./4. August 2002:

F (Hans Richenberger und Gerhard Schwarz): Was ist der Unterschied zwischen Unternehmern und Managern?

A (Alfred Schindler): Der Unternehmer trägt Risiko. Er wird bestraft, wenn er einen Fehler macht. Wir verlieren nicht nur die Stelle, sondern auch das ganze Hab und Gut. Wir kommen nie auf den Gedanken, das eigene Haus zu schädigen. Als Risikoträger denkt man langfristig. (...)


F: Warum wird man angesichts der Risiken und der Kritik heute überhaupt noch Unternehmer?

A: Es ist eine Berufung. Der Unternehmer arbeitet an einem Werk wie ein Bildhauer an einer Statue, die nie vollendet ist. Der Wettbewerb sorgt dafür, dass wir nicht nur im Trott, sondern im Galopp die Dinge ändern müssen. Es ist eine Faszination und eine Last. Der Augleich besteht darin, dass man das Gefühl hat, in Freiheit gestalten zu können. Es ist Freude an der Verantwortung - solange dies auch honoriert wird. Wenn man nur noch Kritik einstecken muss und fiskalisch auch noch um die Früchte der Arbeit gebracht wird, ist der Ofen tatsächlich aus. (...)


F: Unternehmer genießen in der Schweiz doch immer noch ein hohes Sozialprestige.

A: Nein, überhaupt nicht. Sie werden angefeindet. Die Schweiz ist antielitär, auf allen Stufen, tragischerweise. Wir wollen eine hohe Ausbildung, aber wir wollen keine Eliten. Das geht nicht. Die Schweiz hat eines der höchsten Einkommen pro Kopf. Das können wir nur durch Spitzenleistung erhalten - von der Primarschule über das Studium bis hin zum Beruf. (...)


F: Sie halten Restrukturierungen für nötig. Brauchen wir dann nicht einen ausgebauten Sozialstaat, vielleicht einen noch größeren als heute?

A: Restrukturierungen sind unvermeidbar, leider. Die Wirtschaftsgeschichte der letzten zweihundert Jahre hat das bewiesen. Die Frage ist, wie man sozialverträglich restrukturiert. Das ist wie beim Autofahren. Sie können einen alten Cadillac fahren, zweieinhalb Tonnen Blech. Das ist passive Sicherheit, Vollkaskodenken. Besser ist das Porsche-Denken: hohe Beschleunigung, starke Bremsen. Wir müssen eine Restrukturierung anpacken, solange wir in der Lage sind, groszügige Lösungen anzubieten; wenn man todkrank restrukturiert, hat man die Mittel dazu nicht mehr. Das Soziale besteht aus meiner Sicht nicht in der Umverteilung; die braucht es für Notfälle. Die wirkliche soziale Arbeit besteht nicht in der Giesskanne, sondern im Aufbau. Durch Umverteilung löst man keine Probleme.


F: Ist die Umverteilung zum Scheitern verurteilt?

A: Natürlich. Die Umverteilung in Europa geht zulasten der Bilanz. Unsere Schulden steigen. Es braucht ein soziales Netz. Aber wesentlicher ist der unternehmerische Wiederaufbau, das Akzeptieren, dass der Zerfall natürlich ist. Man will Wettbewerb, aber keine Verlierer. Das funktioniert doch nicht. Also muss man dafür sorgen, dass wieder aufgebaut wird. Das heißt: Bejahung des Unternehmertums.


F: Der Wettbewerb produziert nicht nur soziale Verlierer, sondern auch unternehmerische Misserfolge. Wie sollte man damit umgehen?

A: In Amerika sagt man: „We will start again.“ Hier wird der Verlierer stigmatisiert. Dies ist Teil der Neid-Kultur. Das ist das Tragische. Man will keine Eliten, man nivelliert lieber alles. Und deshalb wird das Risikotragen nicht honoriert. Wir möchten Arbeitsplätze erhalten, aber man kann sie nur erwirtschaften.


F: Was würde der Unternehmer Alfred Schindler in der Schweiz ändern?

A: Sicher die Einstellung zur Wirtschaft. Sie ist nämlich beinahe feindlich. Man sollte die Ausbildung in Wirtschaftsfragen verbessern. Es gibt null wirtschaftliche Ausbildung in der Primarschule oder in der Sekundarschule, manchmal bis zur Matura. Das ist bedenklich. Wenn man schon das Glück hat, eine der höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt zu haben, sollte man eigentlich die Beschaffenheit seines Glücks kennen lernen.


(Und wie steht es um ähnliche Fragen heute in Deutschland?)

Freitag, 2. Januar 2009

Schicksal von Elżbieta Dziedzic – Geschichte Polens


Die Irrfahrt der Frau mit den zwei Mädchen


Von Marie Erlwein

September 1941. Zwei Jahre waren vergangen, seit Elzbieta Dziedzic mit ihren beiden Kindern, der fünf Jahre alte Danusia und ihrer zwei Jahre jüngeren Schwester Halinka, Kattowitz verlassen hatte. Am 3. September 1939 war die oberschlesische Metropole besetzt worden. Als bald darauf Ausschreitungen gegen Polen und Juden begannen, wollte Wladyslaw Dziedzic, ein Arzt, seine Familie in Sicherheit bringen. Bei seinen Eltern, die in dem Städtchen Zbaraz im Osten des Landes lebten, glaubte er sie sicher. So nahm er auf dem Bahnhof von Kattowitz Abschied von seiner jungen Frau und den beiden kleinen Töchtern. Er ahnte nicht, dass er sie ins Verderben schickte.

Denn die Reise endete nicht in Ostpolen. Elzbieta Dziedzic und ihre beiden Töchter, Danuta und Halina, sollten zu den etwa 850 000 Polen gehören, darunter mehr als 200 000 Kinder, die nach der Besetzung Ostpolens durch die Rote Armee auf Befehl Stalins als "Feinde des Volkes" nach Sibirien, nach Kasachstan oder in den nördlichen Ural deportiert wurden, um jeden Widerstand gegen eine Sowjetisierung Ostpolens im Keim zu ersticken. Mit dem Mut der Verzweiflung kämpfte Elzbieta Dziedzic in dem Ort ihrer Verbannung in den Weiten der sibirischen Taiga um das eigene Überleben und das ihrer Töchter. Nach mehr als einem Jahr schien der Schrecken ein Ende zu haben: Sie waren frei! Sie ahnten nicht, dass sie noch sechs Jahre und mehrere Kontinente von ihrer Heimat und dem Augenblick trennten, als Wladyslaw Dziedzic seine Famile wieder in die Arme schließen konnte.

Ostpolen war bis zum Jahr 1939 ein multiethnisches Gebiet. Auf einer Fläche von 200 000 Quadratkilometern lebten dreizehn Millionen Menschen: nur fünf Millionen waren Polen, die übrigen Ukrainer, Weißrussen, Russen, Litauer, Juden, Tataren und Deutsche. Das Unheil, das im September 1939 über Ostpolen hereinbrach, hatte in den späten Abendstunden des 23. August im Moskauer Kreml begonnen. Der deutsche Außenminister Joachim von Ribbentrop war gekommen, um mit seinem sowjetischen Amtskollegen Wjatscheslaw Molotow einen Pakt zu unterzeichnen, dessen Verwirklichung die Welt schon drei Wochen später mit Entsetzen zur Kenntnis nehmen musste. Das Dokument selbst, das die beiden Außenminister im Anschluss an ein festliches Abendessen signierten, blieb der Öffentlichkeit lange verborgen. Es ging um nicht weniger als um die Aufteilung Mitteleuropas: Stalin wollte sich Estland, Lettland und Finnland aneignen, Hitler Litauen. Polen sollte unter beiden Imperien aufgeteilt werden.

Knapp zwei Wochen nach dem deutschen Überfall auf Polen überquerte die Rote Armee die polnisch-sowjetische Grenze. Schon einen Tag später beglückwünschten sich die Befehlshaber der deutschen und der sowjetischen Truppen in Brest-Litowsk, gleichsam auf der neuen Demarkationslinie. Unmittelbar nach der Besetzung Ostpolens durch die Sowjetarmee begann der rote Terror. Die nationalen Minderheiten wurden von den Sowjets gegen die Polen aufgewiegelt. Allerorts galt die Losung: "Rächt euch an den polnischen Pans!" Eiligst setzten die neuen Machthaber Wojewodschaftswahlen an. Noch die Gebrechlichsten zerrte man mit Gewalt an die Wahlurnen. Am 2. November 1939 wurde Ostpolen offiziell der Sowjetunion einverleibt.

Mit dem Terror begann eine regelrechte Treibjagd auf die Angehörigen der zerschlagenen polnischen Armee. Eines der ersten Opfer war Wladyslaw Anders, ein 48 Jahre alter General eines Kavallerieregiments in Nowogrodek. Er hatte versucht, die polnisch-rumänische Grenze im Süden zu erreichen, wurde bei Lemberg verwundet und anschließend an den russischen Geheimdienst NKWD verraten. Es folgten tagelange Verhöre. Die Sowjets boten ihm an, in die Rote Armee einzutreten. Als er sich weigerte, wurde er deportiert. Im Februar 1940 kam er nach Moskau in das Gefängnis "Lubianka".

Nach den Militärs waren die gesellschaftlichen Eliten an der Reihe. Jeder, der eine herausgehobene gesellschaftliche Stellung innehatte, wurde als "Feind des Volkes" verhaftet. So geschah es auch in Zbaraz, wohin sich Elzbieta Dziedzic mit ihren beiden Töchtern geflüchtet hatte. Zuerst verschwand der Bürgermeister. Dann ging es Schlag auf Schlag: Ärzte, Änwälte, Apotheker, Lehrer, Notare, Beamte, der katholische Priester und der Rabbi. Das Gefängnis war bald überfüllt. Eines Tages wurden am Bahnhof Viehwaggons zusammengestellt. Am 10. Februar 1940 verließ ein langer Zug das tiefverschneite Städtchen Zbaraz in Richtung Osten.

Dann begann der Schrecken von neuem, wieder wurden Menschen verhaftet: Ehefrauen, Kinder, Großeltern. Wieder wurden am Bahnhof Viehwaggons bereitgestellt. Die Frühlingssonne hatte noch nicht den Schnee auf den umliegenden Feldern geschmolzen, als am 10. April 1940 der zweite Transport Zbaraz verließ.

Inzwischen war es Sommer geworden. Am Abend des 28. Juni hatte Elzbieta Dziedzic ihre beiden Töchter Danusia und Halinka im Haus einer Freundin zu Bett gebracht. In der Nacht hämmerte es an die Tür. Gleich darauf stürmten vier NKWD-Leute ins Zimmer. Alles ging sehr schnell. Sie überprüften ihre Namen, dann folgten ein paar kurze Befehle: "Anziehen! Einpacken!" Den schlaftrunkenen Mädchen zog Elzbieta Sommerkleidchen und Sandalen an. Was sollte sie einpacken? Es gehörte ihr ja nichts. Unschlüssig stand sie herum. Einer der NKWD-Leute breitete auf dem Fußboden eine Decke aus. Wahllos raffte er zusammen, was er finden konnte, und bellte: "Nimm!".

Auf einem Pferdewagen fuhren sie zum Bahnhof. Überall standen Menschen herum. Von bewaffneten Rotarmisten wurden sie in die bereitstehenden Waggons getrieben. Irgendwann saßen auch Elzbieta und ihre beiden kleinen Töchter auf einer Pritsche in einem der Waggons. Als die Tür verriegelt wurde, befanden sich 54 Menschen darin. In der Morgendämmerung des 29. Juni 1940 verließ der dritte Transport Zbaraz in Richtung Osten.

Mehrere Wochen fuhren sie immer in Richtung Osten. Auf der Bahnstation Tinda nahe der Stadt Aldan im Bezirk Jakutsk wurde die menschliche Fracht mehr tot als lebendig entladen. Mit Lastwagen ging es weiter in die Taiga, bis es für die schweren Fahrzeuge im sumpfigen Untergrund kein Durchkommen mehr gab. Auf Pferdeschlitten ging es weiter, bis die den Ort ihrer Bestimmung erreichten: Seligdar Ugolnyj, eine mückenverseuchte Waldlichtung, auf der ein paar Hütten standen. "Hier werdet ihr nun leben", sagte der Lagerkommandant: "In drei Monaten wird es hier Winter sein, dann herrscht strenger Frost. Seht zu, dass ihr euch Hütten baut."

Elzbieta baute keine Hütte, sondern zog in eine, die von ihren Bewohnern verlassen worden war. Sie wurde Waldarbeiterin. Morgens verließ sie mit ihrer Brigade das Lager, spät abends kehrte sie zurück. "Meine Kinder", so schrieb die alte Dame im Jahr 2004 in ihren Erinnerungen, "überließ ich der Vorsehung." Der Arbeitslohn reichte nicht aus, um genügend Lebensmittel zu kaufen. Den Sommer über behalf sie sich mit Beeren und Pilzen. Dann brach der sibirische Winter herein.

Elzbieta wusste, dass die Mädchen diesen Winter nicht überleben würden: nicht in dieser Hütte ohne Ofen und nicht ohne ausreichende Nahrung. Ihre ausgezehrten und von Parasiten zerstochenen kleinen Körper wurden von Fieberschüben geschüttelt. Wenn sie schon sterben müssten, dachte Elzbieta, dann sollte ihr Leben nicht einfach erlöschen, kampflos und leise. Die Frau schlug den Krach ihres Lebens. Sie tobte wie eine Furie, bis ihr der Lagerkommandant versprach, sie und die Kinder am nächsten Morgen in die Krankenstation zu bringen. Eine junge russische Ärztin zögerte ihre Entlassung aus der Krankenstation so lange hinaus, dass sie dadurch selbst in Gefahr geriet und eines Tages verschwand.

Waldarbeit musste Elzbieta fortan nicht mehr verrichten. Sie wurde zum Latrinenputzen in ein Strafgefangenenlager abkommandiert, in dem sogenannte Kulaken seit Jahren dahinvegetierten. Auch Danusia und Halinka überließ sie nicht mehr der Vorsehung allein. Sie nahm sie mit, wenn sie sich am Morgen auf den Weg machte zu diesen bärtigen, wilden "Bestien", vor denen sie sich anfangs so sehr fürchtete und in deren Augen Tränen schimmerten, wenn sie die junge Frau mit den kleinen Mädchen kommen sahen.

"Sind Sie der Ansicht, dass wir das verdient haben?", soll Außenminister Molotow den deutschen Botschafter in Moskau, Friedrich Werner Graf von der Schulenburg, gefragt haben, als dieser ihm am 22. Juni 1941 im Kreml Hitlers Kriegserklärung übermittelte. Zu diesem Zeitpunkt saß General Anders eineinhalb Jahre im Gefängnis "Lubianka". Am 4. August 1941 öffnete sich die Zellentür, Untersuchungsbeamte traten ein und erklärten ihm, sie hätten den Befehl, ihn zu Berjia zu bringen. Lawrentij Berjia, Volkskommissar des Inneren und oberster Aufseher über die sowjetischen Lager, empfing Anders mit ausgesuchter Höflichkeit, bot ihm Tee und Zigaretten an. Dann kam er zur Sache: Heimtückisch seien die Deutschen in die Sowjetunion eingefallen. Jetzt müssten sich die westlichen Mächte zusammentun, um sie zu vernichten. Mit England habe sich die Sowjetunion schon verbündet. Auch mit Polen wolle man wieder zusammenarbeiten. Es sei geplant, auf sowjetischem Boden eine polnische Armee aufzustellen, und gewiss sei niemand geeigneter für diese Aufgabe als er, General Anders. Und was seine Landsleute in der Sowjetunion betreffe: alle würden amnestiert. Anders misstraute Berjia. Doch hatten, wie er bald danach erfuhr, der polnische Ministerpräsident Sikorski und der sowjetische Botschafter Majski am 30. Juni in London ein entsprechendes Abkommen unterzeichnet.

Im September 1941 flog General Anders von Moskau nach Buzuluk, einem Ort am Unterlauf der Wolga. Die Sowjets hatten ihn nicht zuletzt deshalb als Hauptquartier der polnischen Armee ausgewählt, weil er nahe der Stadt Kujbyschew lag. Dorthin übersiedelte die sowjetische Regierung, als die Wehrmacht der russischen Hauptstadt immer näher kam.

Wie viele der polnischen Generäle, Offiziere und Soldaten, die unmittelbar nach der Okkupation Ostpolens in die Sowjetunion deportiert wurden, waren überhaupt noch am Leben? Wo waren sie zu finden? Anders konnte es nicht wissen. So tat er, was ihm in seiner schier ausweglosen Lage zu tun möglich war. Er verfasste einen Aufruf an alle in der Sowjetunion inhaftierten polnischen Militärs, sich der neu zu gründenden polnischen Armee unter seiner Führung anzuschließen und ihre Pflichten gegenüber dem Vaterland zu erfüllen.

Sie kamen in Scharen! Tausende Kilometer legten sie unter schwierigsten Bedingungen zurück, in Eisenbahnwaggons, auf Lastwagen, zu Fuß. Aus zahllosen Gefangenenlagern machten sie sich auf den Weg. Wer das Ziel erreichte, glich eher einem Skelett als einem lebendigen Menschen. "Kann man aus diesen Menschen eine Armee bilden?", dachte der General.

In den Baracken in Seligdar Ugolnyj herrschte eine fieberhafte Erregung, seit der Lagerkommandant den Gefangenen mitgeteilt hatte, sie seien frei. An einem Morgen im September 1941 brachen sie auf: neun Erwachsene und sieben Kinder, darunter Elzbieta und ihre beiden Töchter. Mit jedem Schritt, mit dem sie sich vom Lager entfernten, wähnten sie sich ihrer Heimat näher. Immer in Richtung Westen mussten sie gehen, dort lag Polen. Von einer Armee, die ein polnischer General aufbauen sollte, hatten sie nichts gehört.

Sie kamen nur mühsam voran, oftmals zu Fuß. Sie schliefen in verlassenen Hütten, in Hühnerställen. Sie verkauften das Wenige, das sie in ihren Bündeln mit sich schleppten, oder tauschten es gegen Brot, und zogen weiter: bei Regen, bei klirrendem Frost, bei glühender Hitze. Im Frühjahr 1942 erreichten die neun Überlebenden der Gruppe Buchara.

Elzbieta fand Arbeit auf einer Baumwollkolchose und eine Hütte, in der sie mit Danusia und Halinka bleiben konnte. Dann erkrankte sie an Typhus. Bevor sie in ein Krankenhaus kam, versprachen ihr zwei Polinnen, sich um die Kinder zu kümmern. Als sie nach drei Wochen, schwach und kahlgeschoren, zur Hütte zurückkehrte, fand sie die Tür verschlossen, von Danusia und Halinka keine Spur.

Etwa zur gleichen Zeit, im Frühjahr 1942, kämpfte General Anders einen verzweifelten Kampf. Auf Anordnung der Sowjets war das Hauptquartier nach Jungi-Jul, in die Nähe Taschkents, verlegt worden. Die Menschen strömten nun hierher, mehr als tausend, Tag für Tag. Unter den Ankommenden befanden sich immer mehr Frauen und Kinder. Auf ihrer Wanderschaft in Richtung Heimat hatten sie von der polnischen Armee erfahren - und dass es bei ihr zu essen gab.

In Jungi-Jul fehlte es aber an allem: an Nahrung, an Zelten. Krankheiten grassierten, massenweise starben die Menschen. In dieser verweifelten Situation gelang es General Anders, Stalin davon zu überzeugen, die Armee nach Iran zu verlegen, und mit ihr, gleichsam als "Angehörige der Armee", die Frauen und Kinder: nur in Iran sei eine ausreichende Vorsorgung der Armee durch die Briten möglich.

Anders hatte Stalin gegenüber geblufft, denn mit den Briten war nichts dergleichen geregelt. Am 24. März begann der Abtransport. Lastwagen brachten die Menschen von Jungi-Jul nach Krasnowodsk am Kaspischen Meer. 40 000 Menschen gelangten bis Anfang April über das Kaspische Meer nach Pahlevi. Dann kam der Befehl aus Moskau: "Keine weitere Evakuierung!" "Der Tod", schrieb Anders 1947, "hatte eine reiche Ernte."

Von all dem ahnte Elzbieta Dziedzic nicht das Geringste, als sie sich auf die Suche nach ihren verschwundenen Mädchen machte. Sie fand einen Usbeken, der ihr versprach, sie mit seinem Pferdefuhrwerk zu den usbekischen Siedlungen zu bringen. Nach fünf Wochen fand sie ihre Kinder wieder. Eine usbekische Familie hatte sich ihrer erbarmt, als die beiden Polinnen, die inzwischen von der polnischen Armee erfahren hatten, aufbrechen wollten. So erfuhr auch Elzbieta von der "Anders-Armee".

Wieder machte sie sich auf den Weg. Als sie in Taschkent ankam, war die Stadt voll verzweifelt wartender Menschen, die alles daransetzten, nach Jungi-Jul zu gelangen. Elzbieta begriff: Auch sie musste dorthin, um sich und die beiden Mädchen registrieren zu lassen und einen Platz auf einem Schiff zu bekommen. Sie fuhr mit dem Zug nach Jungi-Jul, ohne Geld und ohne Fahrschein. Eines Tages hielt sie dann aber die Papiere in den Händen, die ihr und den Mädchen den Weg in die Freiheit eröffneten. Im August 1942 hatte sich General Anders über alle Widrigkeiten von Seiten der Sowjets hinweggesetzt: Die zweite Verlegung über das Kaspische Meer begann. Unter den Glücklichen, die mit dem letzten Schiff Krasnowodsk verließen, waren Elzbieta Dziedzic und ihre beiden Töchter, Danusia und Halinka.

Im Jahre 1943 soll Berjia gegenüber Stalin geäußert haben, dass im Zuge der Amnestie 389 000 Polen die Lager verlassen hätten; 115 000 gelangten nach Iran - 70 000 Soldaten und 45 000 Zivilisten, darunter 13 000 Kinder. Die Spuren aller anderen verlieren sich in den Weiten des sowjetischen GULag genauso wie die Spuren anderer Deportierter, für die es eine Amnestie niemals gab: die ethnischen Minderheiten Ostpolens.

Die Anders-Armee kämpfte bald an der Seite der Briten gegen Hitler-Deutschland, doch Elzbietas Wanderschaft war noch lange nicht zu Ende. Mit ihren beiden Töchtern kam sie zunächst nach Teheran, von dort ging es in den Süden, nach Ahvaz. Über den Persischen Golf und den Golf von Oman fuhren sie mit dem Schiff nach Indien. In Karatschi begann die nächste Etappe ihrer Odyssee: Es ging in das britische Lager Koja, nördlich des Viktoria-Sees in Uganda. Noch zwei weitere Lageraufenthalte in Kenia folgten, bevor Wladyslaw Dziedzic, der das Konzentrationslager Dachau überlebt hatte, mit Hilfe des Polnischen Roten Kreuzes seine Familie aufspürte und im Jahr 1948 ihre Heimreise veranlassen konnte.

Von den aus den sowjetischen Lagern geretteten Frauen und Kindern kehrten nach dem Krieg nur wenige nach Polen zurück. Ihr Zuhause in Ostpolen gab es ohnehin nicht mehr. Die meisten fanden ein neues Zuhause in der Emigration: in Neuseeland, Australien, Nord- und Südamerika, England.

Danusia und Halinka wuchsen im kommunistischen Nachkriegspolen heran. Ihre Deportation war zu einem gesellschaftlichen Tabu geworden. Nichts sollte an ihre vergangenen Leiden, ihre gestohlene Kindheit im sowjetischen Lager erinnern, und auch sie sollten nicht daran erinnern. "Ich wurde im Zusammenhang mit den kriegerischen Handlungen der Deutschen gegen Polen in die Sowjetunion gebracht", war die von der kommunistischen Nomenklatura erwünschte Formulierung, als sie sich an der Hochschule um einen Studienplatz und später um einen Arbeitsplatz bewarben.

Äußerlich unterschied sich ihr Leben bei beiden jungen Frauen kaum von dem ihrer Altersgenossen. Danusia wurde Juristin, Halinka Ärztin. Sie heirateten, gründeten Familien. Innerhalb der Familie sprachen sie zuweilen über die Vergangenheit. An dem Tabu wagten sie vierzig Jahre nicht zu rühren. Dann brach die kommunistische Welt Osteuropas zusammen.

Immer war ihnen bewusst gewesen, dass es noch andere gab, die ihr Schicksal teilten. Nur: Wer und wo waren sie? Jeder, der ihrer Generation angehörte, konnte es sein. Mittels Anzeigen in den Tageszeitungen begannen sie ihre Suche - und sie fanden sich. Ihr bislang letztes Treffen fand 2006 in Breslau statt: 186 Personen kamen - die letzten Zeugen einer Odyssee aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges, den die Welt schon fast vergessen hat.

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Die Autorin ist Polonistin und Historikerin und arbeitet als Journalistin. Sie lebt in Berlin.

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.12.2008, Nr. 302, S. 6

Samstag, 27. Dezember 2008

Reform der Verfassung; Rafał Blechacz, Klavier

Von Misstrauen geprägt
Polen debattiert über eine Reform seiner Verfassung / Von Konrad Schuller

Warschau, im Dezember

In Polen hat Präsident Lech Kaczyński in den vergangenen Wochen Rückzugsgefechte geführt. Seine nationalkonservative Partei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS – Prawo i Sprawiedliwość), die in der Regierungszeit seines Zwillingsbruders Jaroslaw zwischen 2005 und 2007 das Land in eine rechtspatriotische „Vierte Republik“ verwandeln wollte, ha vor einem Jahr ihre Mehrheit eingebüßt, der Bruder verlor das Amt des Ministerpräsidenten, und die rechtsliberale Konkurrenz, die „Bürgerplattform“ (Platforma Obywatelska) Donald Tusks, erreicht heute in Umfragen bis zu 60 Prozent Zustimmung.

Angesichts schwindenden Rückhalts hat der Präsident zuletzt seinen Einfluss durch sein schärfstes Instrument zu wahren versucht: das Vetorecht, das ihm erlaubt, fast alle von Parlament beschlossenen Gesetze zurückzuweisen. Insgesamt zwölfmal hat er dieses Recht im zu Ende gehenden Jahr genutzt, wenn es auch Ministerpräsiden Tusk in einigen Fällen gelungen ist, mit den Stimmen der oppositionellen Linken jenen 60-Prozen-Mehrheit i Parlament zu mobilisieren, die nötig ist, um ein Präsidentenveto zu überstimmen. In der vergangenen Woche hat Tusk auf diese Weise zwar die Rationalisierung des Rentenrechts durchsetzen können, ein Kernprojekt seines marktliberalen Programms; ein anderes Vorhaben, die Reform des Gesundheitswesens, aber blieb auf der Strecke. Tusks Regierung ist damit durch das Einspruchsrecht des Präsidenten partiell gelähmt.

Die polnische Verfassung von 1997, geschaffenen der von Misstrauen und Machtrivalität geprägten Atmosphäre des ersten Wendejahrzehnts, trägt deutlich die Spuren ungelöster Konflikte. Die Verfassungsväter haben sich seinerzeit nicht entschließen können, die Macht eindeutig dem einen oder anderen Verfassungsorgan zuzuweisen. Stattdessen durchzieht die ungeklärte Konkurrenz zwischen Regierung und Präsident das gesamte konstitutionelle System. Der Präsident ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte, aber die Regierung ist zuständig für Verteidigungspolitik; der Präsiden vertritt die Republik nach außen aber die Regierung regelt die auswärtigen Angelegenheiten. Generäle und Botschafter können nur im Konsens ernannt werden. In der Praxis des vergangenen Jahres hat das dazu geführt, dass militärische und diplomatische Spitzenpositionen über Monate unbesetzt blieben. Die Blockade des Systems ist kaum zu überwinden, weil der Präsident das Parlament zwar über das Veto paralysieren kann, aber (andres als etwa der Präsiden Freiunkreichs) nur in sehr begrenzten Fällen das Recht hat, es aufzulösen. Der Konflikt zwischen Ministerpräsident und Präsident hat dabei zuletzt so skurrile Folgen gehabt wie den verbissenen Kampf Tusks und Kaczyńskis um den Gebrauch der regierungseigenen Flugzeuge, meist bejahrter, rot-weiß gestrichener sowjetischer Tupolews. Wenn sich die beiden – wie zuletzt Anfang Dezember – wieder einmal nicht einigen können, wer Polen auf Gipfeltreffen der Europäischen Union vertreten darf, und deshalb gemeinsam anreisen, bewegt keine Frage die Nation intensiver als die, wer von ihnen nun das Recht habe, am Brüsseler Verhandlungstisch die Sprechanlage zu nutzen, wenn die EU-Präsidentschaft Polen das Wort zuweist. Zuletzt neigten Verfassungsexperten zu der Annahme, derjenige dürfe dann sprechen, dessen Zeigefinger am schnellsten zum Stromschalter zucke.

Das dieser Zustand ebenso schädlich wie beschämend ist, bestreitet in der polnischen Gesellschaft und Politik kaum jemand. Die beiden Zeitungen, die am deutlichsten die verfeindeten Hauptlager der polnische Politik vertreten, die liberale „Gazeta Wyborcza“ und die konservative „Rzeczpospoita“, fordern in ihren Leitartikeln schon seit längerer Zeit einmütig eine Veränderung, und auch in den politischen Eliten herrscht im Prinzip Einigkeit. Donald Tusk, der von den präsidialen Veto gebeutelte Ministerpräsident, hat den jetzigen Zustand mit dem verderblichen „Liberum Veto“ in der polnischen Adelsrepublik des achtzehnten Jahrhunderts verglichen, als das totale Konsensprinzip im Adelsparlament, dem Sejm, zur Lähmung des Staates führte, und Polen schließlich zum leiten Opfer seiner teilungsgierigen Nachbarn Preußen Russland und Österreich machte.

Tusk verlang t deshalb seit langem, die Verfassung zu ändern und entweder dem Präsidenten oder dem Regierungschef genug Kompetenzen zu geben, um das Land verantwortlich zu führen. Welche der beiden Möglichkeiten genutzt wird, ist ihm dabei nach seiner eigenen Aussage gleichgültig – entscheidend sei nur, die Handlungsfähigkeit der Demokratie wiederherzustellen. „Lassen Sie uns gemeinsam beschließen, das der, welcher Wahlen gewinnt, auch regiert“, ist Tusks ceterum censeo.

Auch das nationalkonservative Lager der Brüder Kaczyński, ohne das die notwendige Zweidrittelmehrheit für eine Straffung der Verfassung gegenwärtig nicht möglich ist, hat immer wieder Reformen verlangt. Ihr altes Projekt einer „Vierten Republik“ als Nachfolgerin der angeblich völlig verkommenen, von ausländischen Agenten und Kommunisten unterwanderten Demokratie von 1989 sah unter anderem einen „starken Präsidenten“ vor, der anders als heute das Recht haben sollten, die Wahl des Ministerpräsidenten entscheidend zu beeinflussen und dessen Veto noch schwerer zu überstimmen wäre als heute. Nach dem Modell der Zwillinge wäre die auch von Tusk verlangte Eindeutigkeit er Kompetenzverteilung in Gestalt eine klaren Präsidialrepublik verwirklicht gewesen. Aber auch die Partei der Brüder Kaczyński ist dabei anscheinend nicht völlig festgelegt auf die präsidiale Option. Der Sprecher der Präsidentenfraktion im Parlament jedenfalls hat einmal gesagt, man sei bereit, auch über die Variante einer parlamentarischen „Kanzlerdemokratie“ zu reden.

Dennoch hat weder die Regierung Tusk noch die nationalkonservative Rechte bisher versucht, aus dieser prinzipiellen Einigkeit im Ansatz einen konkreten Reformkonsens zu schieden. Die Ursache dieser Untätigkeit liegt möglicherweise in den taktischen Erfordernissen der nächsten Jahre. Im Jahr 2010 stehen in Polen die nächsten Präsidentenwahlen an, und Tusk hat sich noch nicht endgültig festgelegt, ob er dann Ministerpräsident bleiben oder gegen Kaczyński antreten will. Alles spricht zwar gegenwärtig dafür, dass er den Kampf gegen seine alten Rivalen aufnehmen wird, doch die letzte Entscheidung hat er sich offengehalten – wohl auch , um eventuellen Konkurrenten im Unklaren zu lassen. Außerdem möchte Tusk möglicherweise vor eine konstitutionellen Reform erst den von manchen erwarteten Zerfall der Kaczyński-Partei abwarten. Dann, so lautet eines der kursierenden Kalkülen, könnte er ohne die lästige Mitsprache seiner Intimfeinde Polens nächste Verfassung entwerfen.

Text: F.A.Z., Nr. 301, vom 24.12.2008, Seite 10


1. Bach. Italiaans concert BWV971.
2. Debussy. Estampes.
3. Chopin. Twee nocturnes opus 62.
4. Chopin. Sonate in b opus 58.

Rafal Blechacz, piano.
Opname van een concert gegeven op 15-8-2008 in het Mozarteum te Salzburg.

(http://www.radio4.nl/page/gids/ und http://www.radio4.nl/page/live/breedband)

Dienstag, 23. Dezember 2008

Komplimente – Männer wollen Anerkennung, Frauen Verehrung

Komplimente sind die beste Möglichkeit, seine Zuneigung mitzuteilen und die Anziehung zu steigern. Allerdings machen Männer oft den Fehler, einer Frau ein Kompliment zu machen das sie selbst gerne hören würden. Ebenso ist Frauen oft nicht klar, wie man einem Mann Komplimente macht. Auf eine einfache Formel gebracht, könnte man sagen dass Männer Anerkennung wollen, Frauen dagegen Verehrung.

Auf dem Mars fühlt man sich am meisten geschmeichelt, wenn die eigenen Taten und Entscheidungen anerkannt und gewürdigt werden.

Auf der Venus fühlt man sich am meisten angesprochen, wenn ein Kompliment an die Frau persönlich gerichtet ist. Weil aber Männer gerne Anerkennung für das bekommen, was sie tun, verhalten sie sich Frauen gegenüber ebenso. Sie sprechen sie nicht direkt an und verpassen dadurch die Gelegenheit, sie spüren zu lassen, dass sie sich zu ihr hingezogen fühlen.

Statt sich darauf zu konzentrieren, was sie tut, sollte er mehr darauf achten, sie direkt mit positiven Adjektiven und Substantiven zu beschreiben. Natürlich der er sich auch darüber äußern, was sie für ihn getan hat, aber er sollte immer auch etwas über ihre Person sagen.

Für eine Frau ist es sehr wichtig, wie ein Mann sie sieht und welche Komplimente er ihr macht. Sie fühlt sich am stärksten zu einem Mann hingezogen, der ihr seine Kompliment persönlich und direkt macht. Ein Mann dagegen ist am stärksten von einer Frau gefesselt, wenn ihre Kompliment weniger direkt sind und mehr ihre Reaktion auf das zum Ausdruck bringen, was er gesagt, beschlossen oder für sie getan hat.

Betrachten wir diesen Unterschied einmal näher.

Indirekte Komplimente // Direkte Komplimente
(an Männer zu richten) // (an Frau zu richten)

„Ich genieße es sehr.“ // „Du bist wunderbar.“
„Ich habe mich köstlich amüsiert.“ // „Du bist so amüsant.“
„Dieses Restaurant ist phantastisch.“ // „Du bist eine phantastische Köchin.“
„Ich genieße es, mit dir zu reden.“ // „Du bist so interessant.“
„Ich bin so gerne bei dir.“ // „Man fühlt sich sehr wohl bei dir.“

Ein Mann fühlt sich geschmeichelt, wenn einer Frau sein Auto, seine Stereoanlage oder der Fußballclub gefällt, dessen Fan er ist. Eine Frau fühlt sich geschmeichelt wenn sie das Gefühl hat als Person wahrgenommen und verehrt zu werden.

Eine andere Möglichkeit, wie eine Frau einem Mann ein indirektes Kompliment machen kann, ist der Dank für etwas, was er für sie getan hat. Indem sie ihm sagt, wie sehr ihr der Film, das Theaterstück, der Liederabend, das Essen, die Einrichtung, der Service, das Wetter gefallen habe, spricht sie ihm dafür indirekten Dank aus, weil er das Gefühl hat, ihr dies alles geboten zu haben. Wenn er ihr Blumen bringt, dann freut er sich am meisten darüber, wie sie sich lobend über die Blumen äußert.

Wenn ein Mann einer Frau direkte Komplimente macht, gibt ehr dies die Gewissheit, dass sie geliebt und geachtet wird. Sie gewinnt dadurch einen direkteren Zugang zu sich selbst und ihren Gefühlen bezüglich des betreffenden Mannes; sie schmilzt dahin und wird offener und empfänglicher.

Persönliche Komplimente sind positive Beobachtungen, Dinge, die einem Mann an ihr auffallen wenn er sie betrachtet und bewusst wahrnimmt.

Textausschnitte aus „Mars sucht Venus, Venus sucht Mars“ von John Gray

Dienstag, 16. Dezember 2008

Der Winter

Die Pelzkappe voll mit schneeigen
Tupfen,

behäng' ich die Bäume mit hellem
Kristall.

Ich bringe die Weihnacht und bringe
den Schnupfen,

Silvester und Halsweh
und Karneval.

Ich komme mit Schlitten aus Nord
und Nord-Ost.

Gestatten Sie: Winter.
Mit Vornamen:
Frost.

Mascha Kaléko

Mittwoch, 10. Dezember 2008

Olivier Messiaen, Vogelstimmen

"Ich bin besonders den Farben zugewandt, und in unserer Zeit ist die Musik, sogar sehr schöne Musik, entweder schwarz, weiß oder grau, aber nicht farbig."


Olivier Eugène Prosper Charles Messiaen
10.12.1908 - 27.04.1992

Er hat das Unmögliche gedacht und damit ein musikalisches Werk von einzigartiger Größe und Vielfalt geschaffen. Olivier Messiaen ließ in seiner Musik Vogelstimmen und indische Rhythmen erklingen, er integrierte den süßen Klang der elektronischen Ondes Martenot in seine Orchesterstücke und versuchte die Unendlichkeit des Sternenhimmels musikalisch einzufangen.

Messiaen hat daraus seinen ganz unverwechselbaren Stil kreiert. Vom "Quatuor pour la fin du temps" und der "Turangalîla-Symphonie" über die großen Klavier-, Orgel- und Orchesterwerke bis hin zu seiner monumentalen Oper "Saint François d'Assise" sind fast alle Werke Messiaens zu Klassikern der Moderne geworden, die im Konzertsaal ebenso heimisch sind wie in den Diskographien.

Außerdem war Messiaen ein gesuchter Lehrer, und einige der wichtigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts waren seine Schüler, etwa Pierre Boulez, Karlheinz Stockhausen und Iannis Xenakis.


Interessantes auch unter: http://theodor-frey.de/messiaen.htm

Vogelstimmen

Der Warnruf der Amseln ist angeboren, und Bussarde als Nicht-Singvögel haben ein sehr begrenztes Repertoire von Lauten zur Verfügung. Neue Töne wird man in dieser speziellen Anordnung also nicht vernehmen können.

Das steht auf den ersten Blick im krassen Widerspruch zur Behauptung des Komponisten und hochbegabten Hobby-Ornithologen Olivier Messiaen (1908 bis 1992), nach der Vögel nicht nur die größten Musiker unseres Planeten sind, sondern auch Komponisten und damit schaffende Künstler.

Doch Messiaen, der am kommenden Mittwoch 100 Jahre alt geworden wäre, ist keineswegs der Erste, der den Vögeln einen bedeutenden Platz in der menschlichen Kunst einräumt und sie als unsere Vorbilder oder sogar Lehrer bezeichnet. Der griechische Philosoph Demokrit glaubte, wir hätten das Singen dem Schwan und der Nachtigall abgelauscht, moderne Komponisten wie Heinz Tiessen haben mit Entschiedenheit das Kompositionstalent von Singvögeln hervorgehoben. Und Messiaens Zeitgenosse Gottfried Benn behauptete gar, dass es Schwalben waren, die ihm den Rhythmus und die Themen seiner Lyrik vorgesungen hätten.

Text: FAZ

http://www.faz.net/s/Rub80665A3C1FA14FB9967DBF46652868E9/Doc~E904F5FFCA631484287529F0082BF84E2~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Vogelstimmen (Pirol, Teichrohrsänger, Rotkehlchen, Mäusebussard, Brachvogel, Amsel) kann man sich auch anhören unter:


http://www.faz.net/s/Rub80665A3C1FA14FB9967DBF46652868E9/Doc~E904F5FFCA631484287529F0082BF84E2~ATpl~Ecommon~SMed.html#75A4953FEBE54DF1A68DEBF6E0D576C2

Dienstag, 9. Dezember 2008

Wojciech Fangor


remains the only Polish artist to have had an individual exhibition at the Guggenheim Museum in New York

Wojciech Fangor - painter, graphic artist, sculptor, and co-creator of the Polish poster school - has shaped his artistic path around the concept of space and the light that emanates from it. His highly varied output is very accurately described by Magdalena Dabrowski, American art critic and curator at New York's Museum of Modern Art: "Exploring colour, space and their manifold relationships as his fundamental means of expression, the artist evolved a unique visual language reflecting his artistic interests, discoveries and innovations. His very personal approach to form and the manner in which it was intended to affect viewers resembled much more closely the three-dimensional perception of sculptors or architects, than that of painters with their emphasis on the two-dimensional and the mimetic."

Wojciech Fangor (born 1922) studied painting under professors Tadeusz Pruszkowski and Felicjan Szczesny-Kowarski during World War II. He was awarded an arts degree and diploma by the Academy of Fine Arts in Warsaw in 1946. He was involved in the Socialist Realist current and created numerous Socialist Realist paintings (including Matka Koreanka / Korean Mother, Postacie / Figures) and posters. In the second half of the 1950s he began producing abstract paintings and became fascinated with the spatial relationships between them. His exhibition titled "Studium przestrzeni" / "A Study of Space" at the Salon "Nowej Kultury" / "New Culture" Salon in Warsaw (1958) was composed of twenty "optical" paintings of various formats arranged irregularly in the gallery. It proved a sensation, was dubbed an important artistic event, and is now considered to have been the first artistic "environment" ever created in Poland. In 1966 the artist immigrated to the United States. He became a leading representative of the up-and-coming Op-art movement. In his work he focused on issues of color and light. Showing light, its spectrum, the chromatic effects of its separation became Fangor's primary aim in his paintings. He produced canvasses composed of colored circles and waves. With pulsating, vibrating contours, his forms generated an impression of movement and various optical illusions. The artist exhibited at some of the world's most famous and prestigious galleries and museums and lectured at a number of notable American universities and colleges. Fangor remains the only Polish artist to have had an individual exhibition at the Guggenheim Museum in New York. In the 1970s the artist reverted to figurative art; however, space continues to play the primary role in his art. The faces and figures that appear in the artist's canvasses generate a singular emotional space. Fangor is interested in the mass media and the television image inspires much of his work. He has created a series of seemingly realistic images built of small dots that imitate electronic pixels. He is the author of numerous spatial arrangements as well as architectural and scenery designs. In 1989 Wojciech Fangor granted one hundred nine of his works to the Polish state (they were incorporated into the contemporary art collection of the Jacek Malczewski Museum in Radom). Ten years later the artist returned to Poland. He lives and works in an old mill he renovated himself, located in the town of Bledow, midway between Warsaw and Radom.

See also http://en.wikipedia.org/wiki/Wojciech_Fangor

Wyznacznikiem artystycznej drogi Wojciecha Fangora - malarza, grafika, rzeźbiarza, współtwórcy polskiej szkoły plakatu, stała się przestrzeń i emanujące z niej światło. Jego różnorodną twórczość trafnie scharakteryzowała Magdalena Dąbrowski, amerykański krytyk i kurator nowojorskiego Museum of Modern Art: "Kolor i przestrzeń oraz ich wzajemne relacje stanowiły podstawowe środki ekspresji artysty, dzięki którym stworzył swój własny język, odzwierciedlający jego artystyczne zainteresowania, poszukiwania i odkrycia. Właściwe dla niego postrzeganie formy i założone oddziaływanie jej na widza były zdecydowanie bardziej rzeźbiarsko-architektoniczne niż percepcja malarska."

Wojciech Fangor (rocznik 1922) w latach II wojny światowej uczył się malarstwa u prof. Tadeusza Pruszkowskiego i prof. Felicjana Szczęsnego-Kowarskiego. Dyplom ukończenia warszawskiej Akademii Sztuk Pięknych uzyskał w 1946 roku. Był zaangażowany w socrealizm; jest twórcą wielu socrealistycznych obrazów (m.in. Matka Koreanka, Postacie) i plakatów. W drugiej połowie lat 50. zaczął malować obrazy abstrakcyjne, pasjonować się zależnościami przestrzennymi występującymi między nimi. Jego wystawa Studium przestrzeni w warszawskim salonie "Nowej Kultury" (1958), zbudowana z 20 "optycznych" obrazów rożnych formatów rozmieszczonych nierównomiernie w przestrzeni galerii, wywołała sensację. Stała się wydarzeniem artystycznym, uznana została za pierwsze polskie environments. W 1966 roku artysta wyjechał na stałe do Stanów Zjednoczonych. Został czołowym przedstawicielem rodzącego się op-artu. W swoich pracach skupił się na problemach koloru i światła. Zasadniczym celem obrazów Fangora stało się ukazanie światła, jego widma, chromatycznych efektów jego rozszczepienia. Tworzył obrazy skomponowane z kolorowych kręgów i fal, o pulsujących, rozedrganych konturach, dających wrażenia ruchu, wzrokowych złudzeń.

Wystawiał w słynnych, prestiżowych galeriach i muzeach. Wykładał w kilku renomowanych uczelniach amerykańskich. Jest jedynym polskim artystą, który miał wystawę indywidualną w nowojorskim Guggenheim Museum. W latach 70. powrócił do figuracji. Nadal jednak główną rolę w jego sztuce odgrywa przestrzeń. Pojawiające się na płótnach artysty twarze, postacie tworzą szczególną przestrzeń emocjonalną. Interesuje się środkami masowego przekazu, inspiruje go obraz telewizyjny. Stworzył cykl pozornie realistycznych obrazów zbudowanych z drobnych plamek, naśladujących elektroniczne piksele. Jest autorem wielu aranżacji przestrzennych i architektonicznych, scenografii. W 1989 roku Wojciech Fangor podarował państwu polskiemu 109 swoich dzieł (znajdują się one w zbiorach sztuki współczesnej Muzeum im. Jacka Malczewskiego w Radomiu). Dziesięć lat później powrócił do kraju. Mieszka i tworzy w wyremontowanym przez siebie starym młynie w Błędowie, w połowie drogi między Warszawą a Radomiem.

Zobacz tak
że:
http://www.culture.pl/pl/culture/artykuly/os_fangor_wojciech
http://en.wikipedia.org/wiki/Wojciech_Fangor

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Raiffeisendruckerei in Neuwied

Die Raiffeisendruckerei GmbH ist längst mehr als eine klassische Druckerei für den modernen Offset- und Digitaldruck. Die Raiffeisendruckerei ist Spezialistin für Kartensysteme der genossenschaftlichen Bankengruppe in Deutschland.

In enger Vernetzung mit dem Deutschen Genossenschafts-Verlag eG, Wiesbaden, und den Rechenzentralen im genossenschaftlichen FinanzVerbund stellt die Raiffeisendruckerei alle Debit- und Kreditkarten sowie Geldkarten und sonstige Wertkarten für die Genossenschaftsbanken her. Damit ist sie ein echtes Hightech-Unternehmen sowohl in der Fertigungstechnik als auch im Datenhandling.

mehr unter: http://www.raiffeisendruckerei.de/

Neuwied ist eine große kreisangehörige Stadt im Norden von Rheinland-Pfalz. Die Kreisstadt des Landkreises Neuwied liegt etwa zehn Kilometer nordwestlich von Koblenz am rechten Rheinufer an der Mündung des im Westerwald entspringenden Flusses Wied.

1653 gegründet, war Neuwied im ausgehenden 17. Jahrhundert eine der ersten Freistätten für Religionsflüchtlinge in Deutschland und entwickelte sich seit Mitte des 18. Jahrhunderts zu einer der frühesten Industriestädte des Landes. Religiöse Vielfalt und Industrialisierung prägen die rund 65.000 Einwohner zählende Stadt bis heute.

Neuwied liegt am rechten Ufer des Rheins, am Fuß des Westerwalds, in Höhe der Mündung des Flusses Wied. Im Gegensatz zu den sonst schmalen Tälern des Mittelrheins weichen die Berghänge im Neuwieder Becken einige Kilometer zurück. (Wikipedia)

Mittwoch, 3. Dezember 2008

China. Erinnerung und Identität

"Podiumsdiskussion im Rahmen des Diskussionsforums Geisteswissenschaft im Dialog, eines gemeinsamen Projekts der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften und der Leibniz-Gemeinschaft.

China - in unserer Vorstellung scheint dieses Land auseinander zu fallen: Bilder einer jahrtausendealten, reichen Kultur und Bilder einer hypermodernen Gegenwart, ländlicher Armut und eines mehr als umstrittenen politischen Zugriffs treten, scheinbar unvermittelt, nebeneinander.

Gerade vor dem Hintergrund einer rasanten wirtschaftlichen und sozialen, von vielen Widersprüchen geprägten Entwicklung wird aber die Frage nach der eigenen Identität im globalen Zusammenhang in der chinesischen Gesellschaft brisant. Und für sie spielt die Integration von Vergangenheit und Gegenwart, der Umgang mit der Erinnerung, eine entscheidende Rolle.

Welchen Zugang zur chinesischen Kultur erschließt die Auseinandersetzung mit verschiedenen Epochen ihrer Vergangenheit, mit ihren Schätzen, mit den Brüchen und Widersprüchen in ihrer Entwicklung? Und was sagt der Umgang mit Kulturgut in China, mit seiner Erforschung und Bewahrung, über die Prozesse aus, in denen gegenwärtig Identität in China verhandelt wird? Wenn "Erinnerungspolitik" immer zugleich auch "Identitätspolitik" ist - durch welche Faktoren wird sie im zeitgenössischen China bestimmt? Welche Rolle spielen hier internationale Kooperationen?

Ausgehend von einem Forschungsprojekt zu "Buddhistischen Steinschriften in China" und einer deutsch-chinesischen Kooperation beim Kulturgüterschutz in Xi'an soll in dieser Diskussion der spannungsreiche Bogen von der Vergangenheit Chinas in seine Gegenwart geschlagen werden. Dazu laden wir Sie herzlich ein!

Es diskutieren:
- Prof. Dr. Lothar Ledderose (Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Heidelberger Akademie der Wissenschaften),
- Univ.-Doz. Dr. Falko Daim (Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz, Österreichische Akademie der Wissenschaften) sowie
- Prof. Dr. Michael Lackner (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg).

Die Moderation hat Jari Grosse-Ruyken (Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn).

Die Podiumsdiskussion findet im Rahmen der Veranstaltungsreihe Geisteswissenschaft im Dialog statt. Geisteswissenschaft im Dialog ist ein gemeinsames Projekt der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften und der Leibniz-Gemeinschaft und wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Schirmherrin ist die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Dr. Annette Schavan. Die Veranstaltungsreihe ist eingebunden in die Initiative Wissenschaft im Dialog."

Text: http://idw-online.de/pages/en/event25383

Fand heute im Kunstmuseum Bonn statt, es war interessant, obwohl relativ wenig informativ.