Mittwoch, 22. September 2010

Dichter! Poeto!

Dichter! Meide den Massenapplaus,
Die Ruhmsucht macht taub! 
Eile, sei deiner Zeit stets  voraus,
Wie Läufer dem Staub! 



Poeto! Gardz oklaskiem mas,
Miej za nic sławę!
Biegnij wciąż naprzód, wyprzedzając czas,
Jak szybkobiegacz kurzawę! 


Leopold Staff - Übersetzung Karl Dedecius

Sonntag, 19. September 2010

Suum Cuique








Für den da antike Höhen,
Italiens Sonne, Museen
Und sonst alles Wundervolle;
Für mich im Wirtshaus bei Regen
Ein Rippenspeer und daneben
Ein Doppelkorn und ne Molle. 


Für den da Bilder, Konzerte,
Die Louvres, ewige Werte,
Die Flüge, das Stadtgetöse;
Für mich ein Tisch in der Ecke,
Wo ich im Glas mich verstecke,
Und einsames Vor-sich-Dösen.


Der Regen mit grauen Haaren
Hat draußen sich festgefahren,
Zu Pfützen zerrinnen Gassen.
O Regen, du träger Regen,
Ersatzloses Unbewegen,
O Mensch, der du allverlassen! 

                                           1929

Julian Tuwim (1894-1953) - Übersetzung Karl Dedecius 

Freitag, 17. September 2010

Zwei Gedichte von Kazimierz Przerwa-Tetmajer

Übersetzt von Karl Dedecius 

AUS NEBELN ....

Aus Nebeln rauscht der Wasserfall 
Herab am steilen Fels.
Aus Nebeln kommt der Abend kalt
Ins schläfrige Gehölz.

Aus Nebeln hallt die Traurigkeit
Durch Nacht und Berggetös.
Aus Nebeln flutet Leid. Das Leid! 
Wie bodenlos und bös! 



NUN BIN ICH ALLE WELTEN LOS ...

Nun bin ich alle Welten los;
Der Seitenwind am Hügel,
Vergilbt und nackt im grauen Moos,
Schleift heulend seine Flügel.

Noch ist mir hier kein Menschengeist
Gefolgt in diese Öden,
Nur Sehnsucht, die das Herz zerreißt,
Empfindungen, die töten. 

                                                       1894