Sonntag, 31. Januar 2010

Dreiklassenwahlrecht in Preußen


Interessant: Heute im Zeitzeichen:


Die Einführung des Dreiklassenwahlrechts in Preußen

31. Januar 1850

"Es war ein revidierter Verfassungsentwurf, der an diesem Tag verkündet wurde. Von einem allgemeinen Wahlrecht, wie zwei Jahre zuvor, war keine Rede mehr. Preußen ließ seinen Landtag fortan in drei Klassen wählen, eine bizarre Verzerrung der Stimmen.

Abhängig von der Steuerkraft wurden Wahlklassen samt ihrer Wahlmänner eingeteilt. Das führte dazu, dass etwa im Jahr 1904 vier Prozent der wohlhabenden Bevölkerung ebenso viele Wahlmänner bestimmen konnten wie die Geringverdiener, die 82 Prozent der Gesamtbevölkerung stellten.

Das preußische Dreiklassenwahlrecht fiel erst 1918 mit der Novemberrevolution."

Autor/in:

Jörg Beuthner

Zeitzeichen am aktuellen Tag um 9:05 auf WDR5 und um 17:45 auf WDR3 sowie als Podcast unter:

http://www.wdr5.de/nachhoeren/zeitzeichen.html


Samstag, 30. Januar 2010

Umverteilender Sozialstaat - Gleichheit als Illusion


"Deutschland ist, mehr als viele andere Länder, auf Gleichheit fixiert. In Umfragen zeigt sich, dass immer mehr Deutsche den Begriff der Gleichheit höher schätzen als den Begriff der Freiheit. Im Osten gibt es dafür eine klare Mehrheit. Und auch im Westen haben sich seit den neunziger Jahren die Gewichte verschoben. In breiten Kreisen wird der Begriff Freiheit mit Unsicherheit und Risiken sowie mit "sozialer Kälte" verbunden. Daher geben sie der Gleichheit - verstanden als Einebnung materieller Unterschiede - den Vorzug. Doch dieses Ideal erweist sich als Illusion, es folgt daraus Enttäuschung. Inzwischen sagt eine Mehrheit, es gehe in der Bundesrepublik nicht mehr "gerecht" zu. (...)

Es gibt verschiedene Gründe für die sich öffnende Schere zwischen den Einkommensgruppen. Der Druck auf den Niedriglohnsektor nimmt vor allem wegen der Globalisierung und wegen des Strukturwandels zu. Eine auf High-tech-Güter spezialisierte Wirtschaft mit stark automatisierter Produktion hat wenig Verwendung für Geringqualifizierte; sie werden an den Rand gedrängt. Die Problemgruppen wachsen durch die Zuwanderung in die Unterschicht. Und je mehr sich die traditionellen Familien auflösen, desto größer wird die Zahl der armutsgefährdeten Alleinerziehenden. So weit, so schlecht. (...)

Die Gerechtigkeitsdebatte hat sich auf Verteilungsfragen verengt.

Diese führt aber in eine Sackgasse. Wie der Historiker Paul Nolte bemerkt hat, war in den ersten drei Jahrzehnten der Bundesrepublik der Gerechtigkeitsbegriff "zwischen Recht und Freiheit, Würde und Chancen aufgespannt". Die Gleichheit, die das Grundgesetz festschreibt, meinte bürgerliche Rechtsgleichheit, die Schutz vor staatlicher Willkürbehandlung garantiert. Gerechtigkeit hieß Leistungsgerechtigkeit. Erst in den siebziger Jahren schlug das Pendel um in Richtung Verteilungsgerechtigkeit. Über die Jahrzehnte hat der umverteilende Sozialstaat gigantische Schuldenberge aufgehäuft (...)

Der umverteilende Sozialstaat beruht auch auf einer verfehlten Nullsummenlogik: Demnach ist der Wohlstand wie ein Kuchen, der innerhalb des Nationalstaats aufgeteilt wird. So funktioniert aber eine offene und dynamische Wirtschaft nicht, denn Unternehmen und Leistungsträger können abwandern. Der hochverschuldete Sozialstaat muss also neue Wege gehen und seine Ziele neu definieren. (...)

Eine anspruchsvolle Sozialpolitik setzt einen Mentalitätswandel voraus. Die deutsche Gleichheitsfixierung und die Angst vor der Freiheit müssen aufgegeben werden. Es gilt, die (Selbst-)Blockaden in der Unterschicht aufzubrechen, gerade unter Migranten, und deren Aufstiegswillen zu stärken. Eine illusionslose Sozialpolitik fordert und fördert Bildung. Gleichheit kann heute nur in einem annäherungsweise gleichen Zugang zu Chancen zur Entfaltung liegen. Hilfe zur Selbsthilfe in der Marktwirtschaft - mehr kann und sollte der Staat nicht leisten. Der Versuch, über staatliche Umverteilung die subjektive Gerechtigkeitslücke zu schließen, kann nicht gelingen. Vielmehr nährt die egalitätsfixierte Politik die Unzufriedenheit, weil sie unerfüllbare Erwartungen weckt."

Ausschnitte aus "Gleichheit als Illusion" von Philip Plickert
Text: F.A.Z., 30.01.2010, Nr. 25 / Seite 11
Leitartikel Wirtschaft

Dienstag, 26. Januar 2010

Horaz


„Mische kleine Torheiten in dein kluges Planen:
Eine Wonne ist es, unvernünftig zu sein, wo es am Platze ist.“ - 4. Ode


"Da die Zeit kurz ist, begrenze deine lange Hoffnung!" - Lieder, I, XI, 6f
(Original lat.: "spatio brevi // spem longam reseces.")


"Denen, die vieles verlangen, mangelt es an vielem." - Lieder, III, XVI, 42f
(Original lat.: "Multa petentibus // desunt multa.")


"Der Zorn ist eine kurze Raserei." - Briefe I, II, 62
(Original lat.: "Ira furor brevis est.")


"Drum, solang es vergönnt, mische mit Lust den Ernst: Süß ist Leichtsinn am rechten Ort!" - Carmina Liber IV, 12, 27-28
(Orginal lat.: "“Misce stultitiam consiliis brevem: Dulce est desipere in loco.”)


"Ich habe keine Religion." - Sermones 1, 9, 70
(Original lat.: "nulla mihi […] religio est.")


"Mit Schmerz erkauft, ist Wollust teures Gift." - Episteln I, 2, 55
(Original lat.: "nocet empta dolore voluptas.")


"Nutze den Tag, dem Später traue auf's wenigste!" - Carmina 1, 11, 8
(Original lat.: "Carpe diem, quam minimum credula postero!")


"Tugend ist, das Laster zu fliehen, und Weisheit heißt zuerst, der Dummheit zu entbehren." - Briefe I, I, 41f
(Original lat.: "Virtus est vitium fugere et sapientia prima stultitia caruisse.")


"Wage es, wissend zu sein!" - Briefe I, II, 40
(Original lat.: "Sapere aude!")


"Weit offene Ohren vergessen leicht, was ihnen anvertraut wurde." - Briefe I, XVIII, 70
(Original lat.: "Nec retinent patulae commissa fideliter aures.")


"Wenn's zur Zeit schlecht läuft, wird es nicht auch in der Zukunft so sein." - Carmina 2, 10, 17
(Original lat.: "Non, si male nunc, et olim sic erit.")


"Wer den Zweck will, will auch die Mittel." - Briefe


"Zum zehntenmal wiederholt, wird es gefallen." - Ars poetica, 365
(Original lat.: Deciens repetita placebit.")

Quellen: Wikipedia &

http://wolfdoleys.blogspot.com/2009/12/schwefeldioxid-jahrelang-brennende.html



Montag, 25. Januar 2010

Vor dem Handeln überlege


Selbstverleugnung

Vergiss nicht, dass du dich im Leben, wie bei einem Fastmahl betragen musst: Man bietet etwas herum und es gelang zu dir. Strecke die Hand aus und nimm bescheiden davon; es geht an dir vorüber - halte es nicht auf, es will immer noch nicht kommen – blicke nicht aus der Ferne begehrlich darauf hin sondern warte, bis es an dich kommt. Ebenso halte es im Bezug auf Kinder, Frau, Ämter und Reichtum. Dann wirst du einst ein würdiger Tischgenosse der Götter sein. Wenn du aber von dem was dir vorgelegt wird, nichts annimmst, sondern darüber wegsiehst, so wirst du nicht bloß mit den Göttern zu Tische sitzen, sondern auch mit herrschen. So handelten Diogenes und Heraklit, und ihresgleichen und deshalb waren und hießen sie mit Recht, göttliche Menschen.


Vor dem Handeln überlege

Bei allem was du tun willst, achte auf das, was vorangeht und was nachfolgt; und so mache dich daran. Anderenfalls wirst du wohl anfangs lustig daran gehen, weil du nicht bedacht hast, was nachkommt. Danach aber, wenn sich etliche Schwierigkeiten zeigen, wirst du mit Schanden davon gehen. (...) Anderenfalls wirst du dich wie die Kinder betragen, die bald die Rolle eines Ringers spielen, bald die eines Fechters, das eine Mal Trompeten blasen, dann wieder ein Schauspiel aufführen. So auch du, bald bist du ein Athlet, bald ein Fechter, dann ein Rector, dann ein Philosoph, aber nichts von ganzer Seele, sondern wie ein Affe, ahmst du jeden Auftritt, denn du siehst nach – und bald gefällt dir dies, bald das. Denn du bis nicht mit Überlegung an eine Sache gegangen und nicht mit Umsicht, sondern aufs Geratewohl, und mit frostigem Interesse. So wollen manche Leute wenn sie einen Philosophen gesehen haben, oder wenn sie jemanden reden hörten, wie Eufrat es redet (und doch, wer kann so reden wie er?), selbst auch Philosoph sein. Mensch, zuerst überlege, wie die Schache beschaffen ist. Dann prüfe auch deine eigene Natur, ob dir die Last nicht zu schwer ist. (..)


aus Epiktet – "Das Buch vom geglückten Leben"

Sonntag, 24. Januar 2010

In uns ist der Quell ...


St. Rochus - Bonn-Duisdorf


Plutarch – Von der Ruhe des Gemütes


„Wenn verzagte Seekranke unterwegs in der Hoffnung auf Besserung vom Kahn in ein Frachtschiff, vom Frachtschiff auf eine Galeere umsteigen, so erreichen sie damit nichts, denn ihre Galle und ihre Angst gehen überall mit hin. Ebensowenig kann ein Wechsel der Lebensweise die Seele von den Gründen ihrer Ängste und Nöte befreien, die in Unerfahrenheit und Unbedachtsamkeit und in der Unfähigkeit, sich in eine Lage zu schicken, bestehen. Dies beunruhigt Reiche wie Arme, Verheiratete werden dadurch wie Ledige gequält. Um ihretwillen flieht man die Öffentlichkeit und findet dann wieder die tatenlose Ruhe unerträglich. Aus solchen Gründen jagt man an Höfen hinter Rang und Auszeichnung her, die dem Erfolgreichen aber bald zur Last werden (...)

Vernunft und Einsicht helfen so, uns in behaglichem Gleichmut jeder Lebenslage anzupassen. (...)

Der Schuh muß sich nach dem Fuß richten und nicht umgekehrt, so muß sich das jeweilige Leben nach der Gemütsart des Menschen gestalten. Nicht die Gewohnheit macht, wie man behauptet hat, die Lebensart angenehm, die man als beste erwählte, sondern die Klugheit macht jedes Leben zum besten und angenehmsten. In uns ist der Quell, aus dem die Heiterkeit kommt, die wir rein und lauter halten müssen, damit wir, mit den äußeren Umständen vertraut und bekannt geworden, sie ohne Verdrießlichkeit ertragen.
Du sollst dich nicht erzürnen über diese Welt:
Sie kümmert sich nicht drum. So ordne, was da kommt,
in deine kleine Welt und du wirst glücklich sein! * “
* Zitat aus Euripides’ verlorener Tragödie Bellerophon

Samstag, 23. Januar 2010

Carl-Cranz-Gesellschaft (CCG)


Carl-Cranz-Gesellschaft – Einrichtung für technisch-wissenschaftliche Weiterbildung

Wissen ist der entscheidende Rohstoff für eine erfolgreiche Industrienation. Der Wandel hin zu einer Wissensgesellschaft ist nur möglich durch den Wandel zu einer Lerngesellschaft.

Der nachakademischen Ausbildung als der ständigen Vermittlung aktuellen speziellen Wissens kommt damit eine entscheidende Bedeutung zu. Dieser Bedeutung entsprechend vermittelt die Carl-Cranz-Gesellschaft seit über vier Jahrzehnten Fach-und Führungskräften aus den ingenieurwissenschaftlichen Bereichen aktuelles praxisorientiertes Wissen in Seminaren auf Hochschulniveau.

Kryptographie - eine Schlüsseltechnik zur Gestaltung zukünftiger Informationstechnik

Termin

10.03. - 11.03.2010

Seminarort: Oberpfaffenhofen

Fachliche Leitung:

Prof. Dr. A. Beutelspacher, Universität Gießen; K.-D.

Wolfenstetter, Deutsche Telekom AG, Laboratories, Berlin


Seminarinhalte

Kryptographische Techniken spielen schon derzeit eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung komplexer technischer Systeme. Dieser Trend wird sich in Zukunft noch erheblich verstärken. Viele Produkte, etwa im elektronischen Zahlungsverkehr, sind ohne Kryptographie grundsätzlich nicht realisierbar.

Das Seminar gibt einen Einstieg und einen Überblick über die Grundlagen der Kryptographie und die aktuellen Entwicklungen. Die Teilnehmer lernen, das Potential und die Grenzen der Kryptographie einzuschätzen.

Im einzelnen werden behandelt: Symmetrische Kryptoverfahren (Schieberegister, DES, AES, IDEA), Public-Key- Kryptographie (RSA, Diffie-Hellman, ElGamal), Anwendungen (Mobilfunk, Internet, ...) und übergeordnete Themen (PKI, Signaturgesetz, ...)

Mehr unter:

http://www.ccg-ev.de/de/startseite.html

http://www.ccg-ev.de/de/seminare/fachreihen/in/in06.html

Freitag, 22. Januar 2010

Let the Sunshine In


Somewhere Over The Rainbow

Somewhere over the rainbow
Way up high,
There's a land that I heard of
Once in a lullaby.

Somewhere over the rainbow
Skies are blue,
And the dreams that you dare to dream
Really do come true.

Someday I'll wish upon a star
And wake up where the clouds are far
Behind me.
Where troubles melt like lemon drops
Away above the chimney tops
That's where you'll find me.

Somewhere over the rainbow
Bluebirds fly.
Birds fly over the rainbow.
Why then, oh why can't I?

If happy little bluebirds fly
Beyond the rainbow
Why, oh why can't I?

http://www.youtube.com/watch?v=SouvCUZv330&feature=related

Jazzchor der Uni Bonn

Let the Sunshine In

Leitung: Fraser M. Gartshore

Freitag, 22. Januar 2010, Aula der Uni Bonn

Mittwoch, 03. Februar 2010, 19:30 Lutherkirche Reuterstraße 11

http://www.jazzchor.com/

http://www.jazzchor.com/docs/kontakt.htm


Donnerstag, 21. Januar 2010

Verheißung



von HUGO VON HOFMANNSTHAL


Fühlst du durch die Winternacht,

Durch der kalten Sternlein Zittern,

Durch der Eiscrystalle Pracht,

Wie sie flimmern und zersplittern:

Fühlst nicht wehen laue Mahnung,

Keimen leise Frühlingsahnung?


Drunten schläft der Frühlingsmorgen,

Quillt in gärenden Gewalten

Und, ob heute noch verborgen,

Sprengt er rings das Eis in Spalten:

Und wirbelnd lauem Wehen

Braust er denen, die’s verstehen.


Hörst du aus der Worte Hall,

Wie sie kühn und trotzig klettern,

Und mit jugendlichem Prall

Klirrend eine Welt zerschmettern:

Hörst du nicht die leise Mahnung,

Warmen Lebensfrühlings Ahnung?

Dienstag, 19. Januar 2010

Buchtipp: Ins Glück stolpern


Ins Glück stolpern: Suche dein Glück nicht, dann findet es dich von selbst

von Daniel Gilbert

Rezensionen der Leser unter:

http://www.amazon.de/product-reviews/344215488X/ref=dp_top_cm_cr_acr_txt?ie=UTF8&showViewpoints=1

Hier einige Ausschnitte:

„"Ins Glück stolpern" ist ein wirklich tolles, unterhaltsames Buch und gleichzeitig eine gründliche Studie des menschlichen Verhaltens...“

„Ein wissenschaftliches Buch über die Suche nach dem Glück. Manchmal stehen wir unserem Glück selbst im Weg. Dieses Buch erklärt, warum. Interessante Studien und psychologische Tests zum Thema Glücklichsein vertiefen die These, dass man sein Glück nicht suchen sollte, sondern einfach hineinstolpert. Sehr empfehlenswert für...“

.“ Dieses Buch (..) hilft ein wenig besser darüber (..) nachzudenken. Die wirren Gedanken werden geordnet und man erfährt auch warum sie so wirr sind... “

Montag, 18. Januar 2010

Grauer Wintertag



von HERMANN HESSE


Es ist ein grauer Wintertag,

Still und fast ohne Licht,

Ein mürrischer Alter, der nicht mag,

Daß man noch mit ihm spricht.


Er hört den Fluß, den jungen, ziehn

Voll Drang und Leidenschaft;

Vorlaut und unnütz dünkt sie ihn,

Die ungeduldige Kraft.


Er kneift die Augen spöttisch ein

Und spart noch mehr am Licht,

Ganz sachte fängt er an zu schnei’n,

Zieht Schleier vors Gesicht.


Ihn stört in seinem Greisentraum

Der Möwen grell Geschrei,

Im kahlen Ebereschenbaum

Der Amseln Zänkerei.


All das Getue lächert ihn

Mit seiner Wichtigkeit;

Er schneielet so vor sich hin

Bis in die Dunkelheit


Sonntag, 17. Januar 2010

Heimat, Gorelik, Tartini


Heimat als politische Waffe?

„Heimat ist da, wo man verstanden wird – heißt es. Im deutsch-polnischen Dialog wird sich in Sachen „Heimat“ oft missverstanden. Der deutsch-polnische Künstler Peter Piotr Lachmann ist ein dagebliebener Vertriebener in Polen, ein geborener Deutscher und gelernter Pole, der beide Länder ausprobiert hat und keine Heimat fand.“

Der deutsch-polnische Schriftsteller Peter Piotr Lachmann über die Vertreibungsdebatte

In der Sendung „Alte und neue Heimat“ auf WDR5 am 17.01.2010.

http://www.wdr5.de/sendungen/alte-u-neue-heimat/s/d/17.01.2010-09.20.html

Auch als Podcast dort zu hören.

Manuskript der Sendung bzw. des Beitrags erhältlich unter: zum Manuskript

Noch ein interessanter Beitrag in der selben Sendung:

Ich bin zwei

Porträt Lena Gorelik

„Lena Goreliks, 1981 in einer russisch-jüdischen Familie in Sankt Petersburg geboren, kommt mit 11 Jahren als „Kontingentflüchtling“ nach München. Schnell und gut lernt sie deutsch. Früh übersetzt sie die Bücher anderer und schreibt selbst welche. Ihre Romane sind voller wahrer Klischees und klischeehafter Wahrheiten.“

Legende der Teufelstrillersonate:

"Eines Nachts träumte mir, ich hätte einen Pakt mit dem Teufel um meine Seele geschlossen. Alles ging nach meinem Kommando, mein neuer Diener erkannte im voraus all meine Wünsche. Da kam mir der Gedanke ihm meine Fiedel zu überlassen und zu sehen was er damit anfangen würde. Wie groß war mein Erstaunen, als ich ihn mit vollendetem Geschick eine Sonate von derart erlesener Schönheit spielen hörte, dass meine kühnsten Erwartungen übertroffen wurden. Ich war verzückt, hingerissen und bezaubert; mir stockte der Atem, und ich erwachte. Dann griff ich zu meiner Violine und versuchte die Klänge nachzuvollziehen. Doch vergebens. Das Stück, das ich daraufhin geschrieben habe, mag das Beste sein, das ich je komponiert habe, doch es bleibt weit hinter dem zurück, was ich im Traum gehört habe." Giuseppe Tartini (Quelle: Wikipedia)


Giuseppe Tartini
Sonate Nr. 13 h-moll, für Violine solo

Chiara Banchini

(sehr schön!)

Freitag, 15. Januar 2010

"Zentrum für Schlüsselqualifikationen" der Universität Mannheim (ZfS)


Schlüsselqualifikationen - Parlieren geht über Studieren

von Florian Vollmers

05. Februar 2009 Rahel Kinne studiert Geschichte und Germanistik im sechsten Semester - und hat während ihres Studiums außerdem die PR-Strategie für ein Jugendkulturzentrum entwickelt, eine einstündige Radiosendung geplant und die Online-Präsenz amerikanischer Konsumgüterhersteller analysiert. Am "Zentrum für Schlüsselqualifikationen" der Universität Mannheim (ZfS) hat die 21 Jahre alte Studentin diese Praxiserfahrungen gesammelt als Pflichtteil ihres ansonsten eher geisteswissenschaftlich-theoretisch ausgelegten Studiums.

"Es ist befreiend, sich auch einmal mit Themen fernab des normalen Unialltags zu beschäftigen", sagt sie. "Außerdem kann man dabei ausprobieren, was man später vielleicht einmal beruflich machen wird." Ihr Bachelor-Studium schreibt vor, dass von etwas mehr als 180 Credit Points insgesamt 12 beim Erwerb sogenannter berufsrelevanter Schlüsselqualifikationen gesammelt werden. Fächerübergreifend stehen den Mannheimer Hochschülern im ZfS entsprechende Angebote zur Verfügung, von Fremdsprachen über Medienpraxis bis zu Präsentations- und Kommunikationstechniken. "Für uns ist das alles andere als eine Pflichtübung", berichtet Rahel Kinne. "Alle, die ich kenne, sind froh, dass es dieses Angebot gibt."

Pflicht: Praxisrelevante Kompetenzkurse

Dass Geisteswissenschaftler im Studium zum Besuch praxisrelevanter Kompetenzkurse verpflichtet werden, wäre noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen. Doch mittlerweile haben die "Soft Skills" an den deutschen Hochschulen Einzug gehalten. Schuld daran ist der Bologna-Prozess: Die Bildungsminister aus 29 europäischen Ländern unterzeichneten am 19. Juni 1999 in Bologna einen Vertrag, um einen homogenen und durchlässigen europäischen Hochschulraum zu schaffen. Eine der vereinbarten Maßnahmen: Auch überfachliche, berufsfeldorientierte Kompetenzen, die ein Fachstudium sinnvoll ergänzen - Schlüsselqualifikationen also -, sollen im Studium vermittelt werden. Selbständigkeit, Kreativität, Verantwortungs- und Leistungsbereitschaft werden ausdrücklich als Beispiele genannt.

Mehr als 80 Prozent der deutschen Hochschulen haben inzwischen die Vermittlung von Schlüsselkompetenzen in ihre Lehrpläne aufgenommen oder zumindest ein Konzept dafür vorliegen. Die Hochschulen integrieren die "Soft Skills" entweder direkt in die Lehrpläne ihrer Studiengänge oder rufen "Career Center" ins Leben, die entsprechende Workshops und Seminare fachübergreifend anbieten. Bis Ende 2010 - dem angepeilten Ziel für die europaweite Umstellung auf die Bachelor- und Master-Struktur - wird die Quote bei rund 90 Prozent aller Studiengänge liegen, schätzen Experten.

Als eigenständige Qualifikationsziele hervorgehoben

"Erst mit den notwendigen Schlüsselqualifikationen können die Studierenden mit ihrem fachlichen Wissen auch kompetent umgehen, es erfolgreich einsetzen", begründet Margret Wintermantel, die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, die Aufnahme der Kompetenzvermittlung in das Aufgaben-Portfolio der Hochschulen. "Sie müssen lernen, mit unterschiedlichen Kooperationspartnern konstruktiv zusammenzuarbeiten und Verantwortung zu übernehmen." Sicher hätten Studenten schon immer erworbenes Wissen mündlich und schriftlich präsentiert, in Projekten gearbeitet und selbständig Fallbeispiele bearbeitet. "Doch diese Fähigkeiten werden nun in den neuen Studiengängen deutlich als eigenständige Qualifikationsziele hervorgehoben und entsprechend systematischer vermittelt."

Die Ausprägung an den Hochschulen fällt höchst unterschiedlich aus. "Das beginnt mit kleinen Lösungen, bei denen die Soft-Skill-Vermittlung über einen Fremdsprachenkurs mit 10 Credit Points abgegolten wird, und endet bei Studiengängen, in denen bis zu 30 Prozent der Studienleistungen aus außerfachlichen beruflichen Kompetenzen bestehen", berichtet Ludwig Voegelin vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE Consult). Er berät Universitäten bei der Umstellung ihrer Studiengänge auf die Bachelor- und Master-Struktur und weiß daher, welche Schwierigkeiten einzelne Fachbereiche mit der Integration von Schlüsselqualifikationen in ihre Lehrpläne haben. "Jahrhundertealte Gewohnheiten müssen neu gedacht werden, das fällt einigen Lehrenden doch sehr schwer."

Nicht überall sind „Soft Skills“ gern gesehen

Und längst nicht überall sind die "Soft Skills" gern gesehen. Das Deutsche Studentenwerk (DSW) etwa hat wiederholt seine Skepsis zum Ausdruck gebracht. "Das Erlernen von Schlüsselqualifikationen kann nicht eben mal so in eine Vorlesung eingebaut werden", sagt Achim Meyer auf der Heyde, der Generalsekretär des DSW. "Sie müssen im Team erlebt werden und auf der Eigeninitiative der Studierenden gründen." Gerade die dem Arbeitsmarkt scheinbar ferne Kulturarbeit sei dafür bestens geeignet.

Eine Vorbild ist in dieser Hinsicht das Studentenwerk Schleswig-Holstein. In zwölf Theatergruppen können Studenten dort Kurse zu Darstellung, Bühnenpräsenz und Stimmgestaltung besuchen. Eine von ihnen ist Kathrin Neuschl. Die 27 Jahre alte Ökotrophologie-Studentin durchläuft derzeit das "Schauspiel-Basistraining". "Am Anfang war es pure Neugierde, neue Horizonte für mich zu erschließen", berichtet sie. "Dann hat es so viel Spaß gemacht, dass ich jetzt regelmäßig Theater mache." Der Wunsch, als professionelle Schauspielerin zu arbeiten, habe dabei nie eine Rolle gespielt. Wie man sich auf einer Bühne bewegt und die richtige Körperspannung hält, empfindet Neuschl vielmehr durchaus als gewinnbringend für ihren späteren Beruf. "Seitdem ich die Schauspielkurse besuche, fallen mir Vorträge an der Uni leichter, und ich trete selbstbewusster auf." Sie sei offener geworden und gehe anders auf Menschen zu. "Das sind praxisrelevante Fähigkeiten, die man sonst nicht im Studium vermittelt bekommt, die aber enorm wichtig für das spätere Berufsleben sind."

Dass die wenigsten Theaterkurs-Teilnehmer später Schauspieler werden wollen, weiß auch Tina Wagner, die künstlerische Leiterin der Schauspielschule in Kiel und Dozentin in der Kulturabteilung des Studentenwerks. "Es gibt viele angehende Lehrer, Theologen und Juristen, die zu uns kommen, weil sie wissen, dass sie im späteren Berufsleben vor anderen Menschen auftreten und überzeugen müssen." Auch Teamfähigkeit spiele in ihren Kursen eine große Rolle. "Wer ein halbes Jahr in einer Gruppe mit maximal zwölf Teilnehmern bleibt, um am Ende eine eigene Bühnenproduktion auf die Beine zu stellen, lernt zwangsläufig, teamfähig zu sein", sagt Wagner.

Mehr können als wissen?

Noch sind die Kulturkurse des Kieler Studentenwerks freiwillig. Doch es gibt Überlegungen, sie in das Credit-Point-System der Bachelor- und Master-Studiengänge einzubeziehen. Diethard Pieske, der Leiter der Kulturabteilung, lehnt das bislang ab. "Ich sehe diese zunehmende Modularisierung sehr skeptisch und möchte unsere Abteilung als Oase und Heimstatt erhalten, an der man sich mit Muße und ohne Prüfungsdruck ausprobieren kann", sagt er. "Im Übrigen spielen bei der Vermittlung der sogenannten Schlüsselqualifikationen ja auch die Eigenständigkeit und Selbstmotivation unserer Kursteilnehmer eine große Rolle, die bei der Einbeziehung in das Modulsystem verlorengingen."

Schärfster Kritiker der Pflicht zur Vermittlung von "Soft Skills" an den Hochschulen ist allerdings nicht das DSW, sondern der Deutsche Hochschulverband (DHV). Seit einigen Jahren sammelt sich im Verband der Unmut vieler Hochschullehrer über den Bologna-Prozess. "Es besteht die Gefahr, dass die Absolventen am Ende mehr können, als sie wissen", spitzt DHV-Sprecher Matthias Jaroch die Kritik zu. Gerade die Vernachlässigung allgemeiner Bildung als Kernaufgabe wissenschaftlicher Lehre entziehe den Absolventen die Fähigkeit, auf einem flexiblen Arbeitsmarkt in unterschiedlichen Positionen erfolgreich zu sein.

Text: F.A.Z.

Zum Thema

Donnerstag, 14. Januar 2010

Kosten des MBA - Der lange Weg in die Gewinnzone


Von Sebastian Balzter

10. Januar 2010

Zeit ist Geld, das weiß Kathleen Fitzgerald, immerhin unterrichtet die zierliche Frau an der Managerschule der Universität von Chicago Rechnungslegung. Ihr Redetempo ist auf Schnellhörer und Schnellmerker getrimmt, der Titel ihres Vortrags auf Zahlenmenschen: „Wie errechnet man die Rendite eines MBA-Programms?“ Nur eine halbe Stunde Zeit gibt sie sich dafür, und wie es sich für eine Wirtschaftsexpertin gehört, steht am Ende keine Zauberformel, sondern ein Excel-Arbeitsblatt. Am Anfang aber müssen sich die zwölf Zuhörer, die zu der Informationsveranstaltung des Anbieters aus Chicago in den Konferenzraum eines Frankfurter Hotels gekommen sind, eine abschreckend klingende Warnung anhören. „Unser europäisches Executive-MBA-Programm kostet knapp 80.000 Euro Gebühren“, sagt Fitzgerald. „Und das sind längst nicht alle Ausgaben, die Sie haben werden.“

Was nicht viel kostet, ist auch nicht viel wert – mit dieser Weisheit aus dem Volksmund können die Anbieter von MBA-Programmen gut leben. Der „Master of Business Administration“ ist eine der teuersten Weiterbildungen, für die sich Berufstätige entscheiden können. Ein oder zwei Jahre dauern die meisten dieser Programme, die Fachkräfte zu Führungskräften machen und Spezialisten den Blick für das große Ganze geben sollen. Unter ihren Anhängern gelten sie als die Aufstiegsformel schlechthin, als Schlüssel zur Management-Karriere – und dafür lassen sich die führenden Anbieter eben auch erstklassig bezahlen: An der Harvard Business School, deren 1908 aus der Taufe gehobener MBA als einer der ältesten überhaupt gilt, sind für das Standardprogramm rund 44.000 Dollar fällig; die renommierte spanische Managerschmiede IESE verlangt fast 68.000 Euro Studiengebühren; auch etablierte deutsche Adressen wie die Mannheim Business School sind nichts für Schnäppchenjäger: 29.000 Euro kostet dort die Teilnahme am zwölfmonatigen Vollzeit-Programm. Da stellt sich die Frage, auf die Kathleen Fitzgerald an diesem Abend eine Antwort verspricht, fast von selbst: Lohnt sich das? (Klicken Sie sich dazu auch durch unsere Fallbeispiele: Fünf Fallbeispiele zur Rendite eines MBA-Studiums).

230 Programme allein in Deutschland

Für die MBA-Schulen selbst offenbar schon. Jedenfalls nimmt ihre Zahl beständig zu: Rund 2000 Anbieter mit mehr als 5000 verschiedenen MBA-Programmen gibt es schätzungsweise auf der Welt. Allein in Deutschland sind es einer Studie der Personalberatung Staufenbiel zufolge zurzeit 230 verschiedene Programme von 130 Anbietern; neben Mannheim gehören hier die Handelshochschule in Leipzig, die WHU in Vallendar und die Goethe Business School in Frankfurt zu den angesehensten Adressen. Übereinstimmend behaupten sie zwar, dass nicht der MBA mit seinen happigen Kosten für Dozenten, Räume und Material Geld in ihre Kassen bringt, sondern erst die sogenannten Executive-Weiterbildung, die eigens auf Unternehmensbedürfnisse zugeschnitten ist. Aber ohne zufriedene MBA-Absolventen keine Executive-Kunden, so lautet für sie die einfache betriebswirtschaftliche Gleichung.

Für die Teilnehmer dagegen ist die Kosten-Nutzen-Rechnung komplizierter. Elf variable Faktoren hat Kathleen Fitzgerald in ihr Datenblatt aufgenommen, hier sind zum Teil handfeste individuelle Auskünfte gefordert: Wie hoch ist das derzeitige Gehalt? Wie viel Geld verlangt die auserkorene Managerschule für ihr MBA-Programm? Welche Reisekosten fallen darüber hinaus an? Und wie viele Erwerbsjahre bis zur Rente sind voraussichtlich noch übrig, in denen sich die Investition in die Karriere bezahlt machen kann?

Zum Teil aber geht es auch um butterweiche Annahmen. Die entscheidende ist: Wie wird sich das Gehalt mit MBA-Titel entwickeln – und wie ohne? Einschlägige Daten dazu sammeln unter ihren Absolventen die einzelnen Schulen selbst, aber auch die Ersteller von MBA-Ranglisten wie die britische Zeitschrift „The Economist“ geben Orientierungshilfen. Mit der Sorgfalt einer Buchhalterin weist Kathleen Fitzgerald darauf hin, dass stets Vorsicht geboten ist, wenn Erfahrungswerte aus der Vergangenheit auf die Zukunft projiziert werden– setzt dann aber für ihre eigene Beispielrechnung optimistisch einen jährlichen Gehaltszuwachs von 5 Prozent für Beschäftigte mit den drei Großbuchstaben auf der Visitenkarte an. Für alle anderen geht sie von einem Plus von 3 Prozent aus, schließlich beendet die Entscheidung gegen den MBA die Karriere ja in aller Regel nicht.

Auf dem Konto würde das Geld Zinsen bringen

Dieses Detail lassen MBA-Aspiranten jedoch oft außer Acht – genauso wie die nicht ganz unerhebliche Tatsache, dass sie die fünfstellige Summe, mit der sie für Studiengebühren, Reise-, Flug- und Verpflegungskosten rechnen sollten, mit einem netten Zinsertrag auch aufs Festgeldkonto einzahlen oder mit der Aussicht Dividende und Kursgewinn in Aktien anlegen könnten. Außerdem unterschätzen viele von ihnen, welche Einnahmen ihnen durch eine bis zu zweijährige Pause entgehen – und dass es selbst mit dem MBA-Abschluss in der Tasche keine Garantie dafür gibt, dass die Rückkehr in den Beruf, der Wechsel in eine andere Branche oder der Aufstieg auf die nächste Hierarchiestufe ohne Stolpern über die Bühne geht. Anders ließen sich etwa die Erwartungen nicht erklären, die aus einer Umfrage der Frankfurter Goethe Business School unter den derzeitigen Teilnehmern an ihrem einjährigen Vollzeit-MBA-Programm hervorgehen: Die meisten von ihnen rechnen damit, spätestens drei Jahre nach dem Abschluss ihre Investitionen – darunter Studiengebühren von 19.000 Euro – wieder eingespielt zu haben. Dass es länger als fünf Jahre dauern könnte, glaubt nur ein einziger.

Kathleen Fitzgerald kommt mit ihrem Modell für das zweijährige Teilzeitprogramm ihrer Schule auf eine deutlich längere Amortisationsspanne: Zu den Gebühren addiert sie zunächst gut 22.000 Euro für Flugtickets und Übernachtungen, setzt eine Inflationsrate von 3 Prozent, Kosten für Zinsen oder entgangene Einnahmen aus dem angelegten Kapital von 7 Prozent und ein Einstiegsalter von 35 Jahren an. Unter diesen Voraussetzungen bliebe der Cashflow aus der Investition namens MBA neun Jahre lang negativ. Erst im zehnten Jahr übersteigt der Gewinn aus der angenommenen steileren Vergütungskurve die Kosten.

Eine Frage für Philosophen

Je länger man danach im Job bleibt, desto einträglicher wird das prognostizierte Gehaltsplus: 30 Jahre nach der Entscheidung für den MBA sollte es sich auf stattliche 1,3 Millionen Euro summiert haben. Doch auch daran legt Fitzgerald noch einmal die finanzmathematische Schere. „Geld aus der Zukunft ist nicht so viel wert wie das Geld von heute“, sagt sie mit Nachdruck. Es gelte deshalb, einen Abschlag einzukalkulieren, um den Zeitwert der Summe zu ermitteln. Das Ergebnis ist immer noch beachtlich: 272.488 Euro. So viel ist, wenn alle Erwartungen sich erfüllen, das MBA-Studium für den Modellteilnehmer wert.

Lohnt sich die Investition also? Das, räumt Fitzgerald in überraschend nachdenklichem Ton ein, sei eigentlich keine Frage für Rechner, sondern eine für Philosophen. Es gehe bei dieser wie bei allen anderen Entscheidungen letztendlich darum, das Lebensglück zu steigern. Doch rasch kehrt das gewohnte Stakkato in ihre Worte zurück. „Glück kann abhängig sein von Geld. Von Reisen. Von Familie. Von Spaß.“ Streng wirft sie noch einen Blick in die Runde. „Sie werden jetzt darüber nachdenken müssen, was für Sie Glück bedeutet.“ Dann ist ihre halbe Stunde um.

Text: F.A.Z

Zum Thema:

Fünf Fallbeispiele zur Rendite eines MBA-Studiums

Der entzauberte MBA

Harvard schwört der Gier ab

Mittwoch, 13. Januar 2010

GMAT Score: Ermittlung und Bedeutung



Durch das oben beschriebene Verfahren wird das Ergebnis oder Niveau des Testteilnehmer ermittelt, der sogenannte "Score". Die zwei Aufsätze werden direkt vom Computer sowie von einem bzw. bei Unstimmigkeiten von zwei menschlichen Prüfern bewertet und bilden zusammen den sogenannten "Analytical Writing Assessment (AWA) Score", der auf einer Skala von 0 bis 6 in halben Punktzahlen angegeben wird. Dieses Ergebnis wird auf dem Ergebnisbericht zwar ausgewiesen, trägt aber gegenwärtig nicht zum Gesamtergebnis (Total Score) bei.

Dieses Gesamtergebnis besteht aus dem Ergebnis des mathematischen (quantitativen) und des sprachlichen (verbalen) Teils und wird auf einer einheitlichen Skala von 200 bis 800 Punkten ("Total Scaled Score") sowie häufig auch in Prozentzahlen von 1 bis 99 ("Total Percentile") angegeben. Das vorläufige Ergebnis wird dem Teilnehmer sofort nach Beendigung des Tests angezeigt, der offizielle Berichtsbogen mit den erzielten Ergebnissen in allen Abschnitten wird etwa zwei Wochen später zugesandt. Der Score wird dann auf Anfrage vom Prüfungsinstitut an die Universitäten übermittelt, bei denen sich ein Testteilnehmer beworben hat.

Durchschnittliche Ergebnisse: Der durchschnittliche GMAT-Teilnehmer erreichte in den letzten Jahren einen Wert von etwa 500 bis 550 Punkten (ca. 40 bis 60 %). Die Studenten an vielen der bekanntesten und führenden Universitäten weisen jedoch durchschnittliche GMAT-Punktwerte von über 650 auf (ca. 83 %), an einigen sogar von über 700 Punkten (ca. 92 %). Die meisten Universitäten weisen diesen Durchschnittswert ihrer Studenten als Orientierungswert aus (gerne auch zu Marketingzwecken), geben jedoch keine Mindestpunktzahl vor. Dieses wird auch von den Erstellern des GMAT empfohlen, u. a. da der Test eine statistische Abweichung von der "tatsächlichen" Fähigkeit eines Teilnehmers ("True Score") von knapp 30 Punkten aufweist, z.B. bedingt durch die Tagesform des Teilnehmers und die Auswahl der Fragen durch den Computer. Ein - nahezu - perfektes Ergebnis von 98 % bzw. mehr als 740 Punkte kommt hin und wieder vor, ist jedoch für keine Universität wirklich notwendig, da für das Zulassungsverfahren auch noch andere Kriterien herangezogen werden (Noten im Erststudium, Lebenslauf und Berufserfahrung, Empfehlungsschreiben, Bewerbungsschreiben, Bewerbungsinterview, usw.)

Testwiederholung: Falls ein Teilnehmer nicht mit seinem Ergebnis zufrieden ist, kann der Test mehrfach wiederholt werden, und zwar frühestens 31 Tage nach dem jeweils letzten Versuch. Theoretisch ist die Zahl der Wiederholungen kaum begrenzt, jedoch ist zu bedenken, dass der Test jedes Mal erneut kostenpflichtig ist und die letzten fünf erzielten Punktzahlen der jeweiligen Universität übermittelt werden, so dass diese sofort sieht, ob eine positive Entwicklung erkennbar ist. Ebenso werden häufige Testversuche von vielen Universitäten negativ für den Bewerber ausgelegt (allgemein werden maximal drei Wiederholungen empfohlen). Ein einmal erzielter Punktwert bleibt momentan ca. 20 Jahre lang gespeichert, die meisten Universitäten akzeptieren jedoch keine Testergebnisse, die länger als fünf Jahre zurückliegen.

Text: Wikipedia

Montag, 11. Januar 2010

Winternacht


von JOSEPH VON EICHENDORFF

Verschneit liegt rings die ganze Welt,

Ich hab nichts, was mich freuet,

Verlassen steht der Baum im Feld,

Hat längst sein Laub verstreuet.


Der Wind nur geht bei stiller Nacht

Und rüttelt an dem Baume,

Da rührt er seinen Wipfel sacht

Und redet wie im Träume.


Er träumt von künftger Frühlingszeit,

Von Grün und Quellenrauschen,

Wo er im neuen Blütenkleid

Zu Gottes Lob wird rauschen.

Sonntag, 10. Januar 2010

GMAT - "Graduate Management Admission Test"


Viele Managerschulen verlangen von Bewerbern die Teilnahme am GMAT. Der Test hat seine ganz eigene Logik. Darauf sollte man sich vorbereiten.

(...) Keine der großen Schulen nennt zwar eine bestimmte Mindestpunktzahl als formales Aufnahmekriterium. (...) Als Faustregel gilt: Irgendwo zwischen 550 Punkten und den maximal erreichbaren 800 Punkten sollte landen, wer sich für eine der Eliteschulen in Amerika bewirbt.

"Aber was zur Hölle ist GMAT eigentlich?" (...) : "GMAT ist ein Test, der Ihre Fähigkeit misst, GMAT zu bestehen. Mehr nicht." So viel Tabula rasa muss sein, bevor Machot den Aufbau der Prüfung erklärt, die von einer Gruppe von Wirtschaftshochschulen organisiert und im Jahr von rund 100 000 Studenten in ausgewählten Test-Lokalen überall auf der Welt absolviert wird: Aus drei aufeinanderfolgenden Teilen besteht sie. Zunächst gilt es, in 60 Minuten zwei Essays zu vorgegebenen Themen zu schreiben, dann in je 75 Minuten 37 mathematische und 41 sprachlich-logische Aufgaben zu lösen. "Sie haben 1,9 Minuten je Antwort und mit Pausen insgesamt vier Stunden Prüfungssituation vor sich. Zeitmanagement und Ausdauer sind also das A und O."

Der anschließende Übungstest mit Fragen aus alten Jahrgängen macht außerdem klar, dass zur Vorbereitung auf die 250 Dollar teure Prüfung außer der Wiederholung von Oberstufen-Mathematik und englischer Grammatik vor allem eine Einführung in die Fragetechniken der GMAT-Entwickler gehören sollte. So gilt es zu wissen, dass GMAT zwar standardisiert am Computer absolviert wird, die Schwierigkeitsstufe der Fragen aber von den zuvor gegebenen Antworten abhängt: Wer danebenliegt, bekommt aus dem Fragenpool eine einfachere Variante serviert - kann dann aber auch nicht mehr mit der Höchstpunktzahl rechnen. Und wer damit nicht zufrieden ist, kann den Test zwar wiederholen, auf dem neuen Zeugnis wird aber auch das Resultat früherer Anläufe verzeichnet.

(..) Zwei bis drei Monate sollten sie sich auf den GMAT vorbereiten, keinesfalls länger - sonst schwinde die Motivation."

aus dem Artikel von SEBASTIAN BALZTER, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.01.2010, Nr. 7, S. C4


Samstag, 9. Januar 2010

Wintervögel



von CARL ZUCKMAYER

Kommt der erste Schneesturm angeschnoben,

Hängt der Talgring schon am Giebel droben.

Sorgt euch nicht! In einem trocknen Eckchen

Baumelt prallgefüllt das Erdnußsäckchen.

Sonnenblumenkern mit Hanf und Lein

Werden reichlich vor dem Fenster sein.


Da der Kleiber taktstockmäßig klopft,

Läßt die Haubenmeise, spitzbeschopft,

Ihren wirschen Flötentriller los,

Und der Grünling kreischt tempestuos.

Weht ein Zirpen aus dem Schwarzgetann,

Welches nur ein Goldhähnchen sein kann.


Mit der Fastnachtsmaske vorm Gesicht,

Denkt die Blaumeise, man kennt sie nicht!

Stolz der Dompfaff wölbt den roten Bauch,

Und der Bergfink seinen bunten auch.

Glaubt man Blut auf falbem Flaum zu sehn,

Dürfte sich’s um einen Hänfling drehn.


Ach was hat dies Rotkehlchen verführt,

Daß es nicht den Drang zum Wandern spürt!

Andre seinesgleichen schnalzen jetzt,

Wo der Kalif Storch den Schnabel wetzt.

Doch vielleicht auch ließ man sie bereits

Bruzzeln in der italien’schen Schweiz.


Dicke Amsel auf dem kahlen Ast,

Wo du jetzt noch deinen Schmer her hast?

Oder plusterst du dich nur aus Wut,

Wenn du siehst, was sich im Rinnstein tut?

Unbestritten hält dort seinen Platz,

Wie im Sommer, der gemeine Spatz.


Hundertmal das Hälschen ausgereckt,

Eh den Schnabel man ins Futter steckt!

Lautlos schleicht der Katzenfuß im Schnee,

Und der Stößer kreist in Wolkenhöh.

Viel zu viele gehen drauf alljährlich.

Paßt nur auf! Das Leben ist gefährlich...


Doch ihr wisst, dass man dem schwarzen Mann

Hinterm Fensterkreuz vertrauen kann.

Mittwoch, 6. Januar 2010

Cherokee-Häutling erzählt


Noch eine Version dieser Geschichte - etwas korrigiert und dadurch noch besser:

Ein alter Cherokee-Häutling erzählt eines Abends seinem Enkel eine Legende. Er sagt: "Mein Sohn, der Kampf zwischen zwei Wölfen tobt in jedem von uns. Einer ist böse. Er ist Reizbarkeit, Neid, Eifersucht, Sorge, Ängstlichkeit, Gier, Arroganz, Selbstmitleid, Disziplinlosigkeit, Mißgunst, Faulheit, Vergnügungssucht, falscher Stolz und Eitelkeit. Der andere ist gut. Er ist Genußfreundlichkeit, Friedfertigkeit, Hoffnung, Gelassenheit, Offenheit, Güte, Wohlwollen, Mitgefühl, Großzügigkeit, Selbstbeherrschung, Zähigkeit und Wißbegier." Der Enkel dachte eine Minute darüber nach und fragte seinen Großvater dann: "Und welcher Wolf gewinnt?" Der alte Cherokee antwortete: "Der, den du fütterst."

Dienstag, 5. Januar 2010

Betrifft: Erster Schnee

von MASCHA KALÉKO


Eines Morgens leuchtet es ins Zimmer,
Und du merkst: ’s wieder mal soweit.
Schnee und Barometer sind gefallen.
- Und nun kommt die liebe Halswehzeit.

Kalte Blumen blühn auf Fensterscheiben.
Fröstelnd seufzt der Morgenblatt-Poet:
„Winter lässt sich besser nicht beschreiben,
Als es schon im Lesebuche steht...“

Blüten kann man noch mit Schnee vergleichen,
Doch den Schnee .. Man wird zu leicht banal.
Denn im Sommer ist man manchmal glücklich,
Doch im Winter nur sentimental.

Und man muß an Grimmsche Märchen denken
Und an einen winterweißen Wald,
Und an eine Bergtour um Silvester.
- Und dabei an sein Tarifgehalt

Und man möchte wieder vierzehn Jahr sein:
Weihnachtsferien ... Mit dem Schlitten raus!
Und man müsste keinen Schnupfen haben,
Sondern irgendwo ein kleines Haus,

Und davor ein paar verschneite Tannen,
Ziemlich viele Stunden vor der Stadt,
Wo es kein Büro, kein Telefon gibt.
Wo man beinah keine Pflichten hat.

... Ein paar Tage lang soll nichts passieren!
Ein paar Stunden, da man nichts erfährt.
Denn was hat wohl einer zu verlieren,
Dem ja doch so gut wie nichts gehört.