Donnerstag, 15. Januar 2009

»Zernichten«


So wollt ich ganz zernichtet sein,

Wie an dem ganzen Wesen mein

Nit eine Fiber jetzt nit schreit

Vor tiefer Reu und wildem Leid.

Zurück! Und kann nit!

Noch einmal!

Und kommt nit wieder!

Graus und Qual!

Hie wird kein zweites Mal gelebt!

Nun weiß die aufgerissne Brust,

Als sie es nie zuvor gewußt,

Was dieses Wort bedeuten mag:

Lieg hin und stirb, hie ist dein Tag!


(Aus dem 'Jedermann' von Hugo von Hofmannsthal)


Zernichten, verb. regul. act. zu nichts, oder zu nichte machen. 1. Zu nichte machen, d.i. zerstören, die Verbindung der Theile eines Dinges aufheben. Ein Kunstwerk zernichten. 2. In nichts verwandeln, aus der Reihe der existirenden Dinge wegnehmen. Der Gottlose wünscht, daß Gott seine Seele zernichte. In beyden Fällen wie vernichten. So auch die Zernichtung.

Quelle:

Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 4. Leipzig 1801, S. 1689.


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